Das dritte Quartal 2026 stand ganz im Zeichen des Irankrieges, der Zentralbanken und der Geopolitik. Trotz dieser Widrigkeiten zeigten sich die globalen Aktienmärkte bemerkenswert widerstandsfähig. Wir blicken auf die vergangenen drei Monate zurück und erläutern, wie wir die Aussichten für die einzelnen Anlageklassen beurteilen.
Rückblick: Ein Quartal der Gegensätze
Die gegenseitigen Scharmützel im Irankrieg trieben den Ölpreis zwischenzeitlich bis auf USD 109 pro Fass und verliehen der Inflation zusätzlichen Schub. Die Kombination aus Inflation und robustem Wachstum liess die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen im Westen auf Mehrjahreshöchstwerte steigen. In der Folge begannen die Zentralbanken, an der Zinsschraube zu drehen, und erhöhten mit Ausnahme der SNB ihre Leitzinsen.
Angesichts dieses Umfelds hielten sich die globalen Aktienmärkte erstaunlich gut. Schweizer Investoren profitierten bei ihren ausländischen Engagements zusätzlich von einem rund 3% schwächeren Franken:
- S&P 500: +5.6% in CHF
- Stoxx 600: +1.9% in CHF
- SPI: ‑2.0%
- SPI ex SMI (Schweizer KMU): ‑0.6%
- SXI Immobilienindex: ‑3.8%
Die einzige grössere Enttäuschung kam damit vom Schweizer Immobilienmarkt.
Konjunktur: Die USA bleiben die Wachstumslokomotive
Der Irankrieg und die US-Zwischenwahlen dürften in den kommenden Monaten die wichtigsten Treiber sein. Der Iran ist bestrebt zu verhindern, dass Präsident Trump im Vorfeld der Wahlen einen politischen Sieg über das Land verkünden kann. Der Ölpreis und wohl auch die Inflation werden deshalb vorderhand auf erhöhtem Niveau bleiben. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren.
Trotz des Energieschocks befinden sich die USA weiterhin in einer Wachstumsphase. Den besten Beleg dafür liefern die Einkaufsmanagerindizes für September: Der US-Gesamtindex stieg von 56 auf 58.4 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit 2021. Europas Wachstum fällt zwar bescheidener aus, doch profitiert der «Alte Kontinent» als Trittbrettfahrer von der amerikanischen Dynamik. Der europäische Einkaufsmanagerindex liegt mittlerweile bei 53.1 Punkten und damit deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten.
China hingegen, oder genauer gesagt die Regierung in Peking, enttäuscht. Was zu Jahresbeginn vielversprechend aussah, zieht sich deutlich länger hin. Peking scheint (noch) nicht gewillt, breit angelegte Konjunkturimpulse zu setzen. Die Folge: Die Exporte boomen, während die Binnenkonjunktur darbt.
Geldpolitik: Wir erwarten einen milden Zinszyklus
Die Zentralbanken haben auf breiter Front begonnen, die Leitzinsen anzuheben. Einerseits zwang sie die Inflation dazu, andererseits lässt das Wirtschaftswachstum höhere Zinsen zu.
Für den Ausblick ist vor allem eine Frage entscheidend: Kommt es in den USA zu einem milden Zinszyklus mit ein bis zwei weiteren Schritten oder zu einem veritablen neuen Erhöhungszyklus mit mindestens vier Zinsschritten? Wir rechnen mit einem milden Zyklus, und zwar aus zwei Gründen. Erstens haben sich im US-High-Yield-Segment mit Caa-Rating die Option-Adjusted Spreads (OAS) deutlich ausgeweitet. Zweitens haben Inflation und höhere Zinsen bereits spürbare Spuren in der Performance der Sektoren zyklischer und nicht-zyklischer Konsum hinterlassen. Sowohl schwächer geratete Unternehmen als auch die Konsumenten, die in den USA knapp 70% des BIP-Wachstums ausmachen, stehen somit unter erheblichem Druck.
Anleihen: Qualität bevorzugt
Die Obligationenpreise dürften unter Druck bleiben, solange Inflationsgefahren im Vordergrund stehen. Kursgewinne werden wahrscheinlicher, sobald Inflationsängste in Wachstumsängste übergehen und die Renditen sinken. Schweizer Staatsobligationen mit mittleren Laufzeiten dürften dann wieder an Attraktivität gewinnen. Da die Risikoprämien im historischen Vergleich nach wie vor tief sind, bevorzugen wir Schuldner besserer Qualität.
Währungen: Der Dollar bleibt gefragt
Die allgemeine Dollarstärke dürfte weiter anhalten. Dafür sprechen die Zinsdifferenz, die zyklische Stärke der US-Wirtschaft und des Aktienmarktes mit entsprechend positiven Kapitalflüssen sowie die Tatsache, dass die USA Nettoenergieexporteur sind. In weiten Teilen der übrigen Welt wirkt der Energieschock dagegen eher stagflationär. Das Bekenntnis von Fed-Präsident Kevin Warsh zum 2%-Inflationsziel und die Leitzinserhöhung im September stützen den Dollar zusätzlich.
Auch der Euro gewinnt gegenüber dem Franken an Auftrieb, nachdem die EZB im September die Zinsen erneut erhöht hat. Die SNB hielt im September an ihrer Nullzinspolitik fest und tagt erst wieder im Dezember.
Aktien: Positive Einschätzung für die kommenden drei Monate
Für die nächsten drei Monate sind wir gegenüber Aktien positiv eingestellt. Der Investitionszyklus in der Künstlichen Intelligenz setzt sich trotz realer Sicherheitsrisiken fort. Im globalen KI-Wettbewerb dürfte es höchstens zu einer marginalen Verlangsamung kommen, denn zwischen den politischen Akteuren der Grossmächte USA und China fehlt das Vertrauen vollständig. Zudem deuten die Einkaufsmanagerindizes in den USA und Europa auf ein sich verbesserndes Momentum im globalen Produktionszyklus hin, was sich positiv auf die Gewinndynamik der Unternehmen auswirken dürfte.
Bei den US-Zwischenwahlen im November 2026 erwarten wir, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen. Für die Aktienmärkte gilt ein geteilter Kongress historisch oft als neutral bis leicht positiv, da er abrupte Politikwechsel erschwert. Auch die Schweizer Wirtschaft würde davon profitieren. An den US-Zöllen gegenüber der Schweiz würde sich zwar nichts ändern, doch brächte ein geteilter Kongress Schweizer Unternehmen im US-Geschäft mehr Rechtssicherheit und Berechenbarkeit bei Steuern und Regulierung. Profitieren könnten insbesondere exportorientierte Firmen aus der Pharma‑, Maschinen‑, Luxusgüter- und Finanzbranche.
Wir sind zudem überzeugt, dass die Frankenschwäche in Schweizer Aktien noch nicht vollständig eingepreist ist, und sehen Opportunitäten sowohl bei grosskapitalisierten Unternehmen als auch bei KMU.
Alternative Anlagen: Gold langfristig intakt, Immobilien wegen der Ausschüttung
Beim Gold lassen die kurzfristigen Aussichten keinen klaren Preistrend erkennen, da die höheren Leitzinsen die Opportunitätskosten erhöht haben. Langfristig bleiben die Perspektiven jedoch positiv. Dies zeigte sich exemplarisch, als die Diskussion um die US-Verschuldung wieder aufflammte: Innerhalb von 40 Tagen stieg der Goldpreis um 15%.
Bei Schweizer Immobilienfonds belasten die gestiegenen Obligationenrenditen die Prämien auf den Nettoinventarwert (NAV), und der Markt hat korrigiert. Die Schwäche ist kurzfristig möglicherweise noch nicht ausgestanden. Die Fundamentaldaten bleiben mit hoher Nettozuwanderung und tiefen Leerständen jedoch unverändert solide. Bei der Prämie zum NAV sehen wir kaum Aufwärtspotenzial. Hauptargument für einen Kauf bleibt damit die Ausschüttungsrendite.
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