Heinz Rüttimann
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KI-Boom und Iran-Deal treiben die Märkte

Das zweite Quartal 2026 stand weiterhin ganz im Zeichen des Irankrieges und endete mit einer positiven Perfor­mance über alle Aktien­märkte hinweg. Zwei Faktoren prägten diese Entwicklung besonders: einer­seits die gewal­tigen weltweiten Inves­ti­tionen in die Infra­struktur der künst­lichen Intel­ligenz sowie der Boom in der Halblei­ter­industrie, anderer­seits das Rahmen­ab­kommen zwischen den USA und dem Iran und die damit verbundene Norma­li­sierung der Energiepreise.

Perfor­mance im Überblick

Der S&P 500 und der Nasdaq gewannen im zweiten Quartal in Schweizer Franken 19.8 % respektive 33.3 %, während der Stoxx 600 um 13.1 % zulegte. Der SPI Index stieg um 13.3 %, der weniger liquide SPI ex SMI, also die Schweizer KMUs, um 11.3 %.

Der MSCI Schwel­len­länder Index legte um 24.1 % zu, getrieben praktisch ausschliesslich von der Halblei­ter­industrie in Südkorea und Taiwan. China hingegen enttäuschte mit minus 5.9 %.

Der Goldpreis geriet unter Druck, fiel unter die technisch wichtige 200-Tage-Linie und korri­gierte im Verlauf des Quartals um 11.1 %.

Ausblick: Konjunktur

Das Rahmen­ab­kommen zwischen den USA und dem Iran hat zu einer deutlichen Entspannung bei den Energie­märkten geführt und damit die konjunk­tu­rellen Aussichten verbessert. Die US-Wirtschaft wird getragen vom robusten Konsum und von den Inves­ti­tionen entlang der gesamten Wertschöp­fungs­kette der künst­lichen Intel­ligenz. Die USA bleiben auch in den kommenden Monaten die treibende Wirtschafts­kraft für den Rest der Welt.

Die europäische Wirtschaft steht demge­genüber deutlich unter Druck. Die Energie­krise hat zu tieferen Wachs­tums­er­war­tungen für 2026 geführt, gleich­zeitig sind europäische Hersteller einem wachsenden Wettbewerb durch subven­tio­nierte chine­sische Exporte in den Bereichen Stahl, Techno­logie und Elektro­fahr­zeuge ausge­setzt. Das Handels­de­fizit der EU mit China hat sich im vergan­genen Jahr auf mehr als 360 Milli­arden Euro ausgeweitet.

Die chine­sische Wirtschaft enttäuschte bislang. Der politische Wille, das Land von einer produk­tions zu einer konsum­ori­en­tierten Wirtschaft umzubauen, mag vorhanden sein und wird von Peking regel­mässig bekräftigt. Tiefgrei­fende und nachhaltige Massnahmen fehlen jedoch bis anhin.

Geldpo­litik

Zentral­banken können temporäre, angebots­seitige Schocks bis zu einem gewissen Grad ignorieren, solange die langfris­tigen Infla­ti­ons­er­war­tungen gut verankert bleiben und keine Zweit­run­den­ef­fekte entstehen. In den westlichen Märkten hängen diese Zweit­run­den­ef­fekte vor allem vom Arbeits­markt und den Lohnfor­de­rungen ab. Zinser­hö­hungen bei schwachem Wachstum sind nur dann sinnvoll, wenn die langfris­tigen Infla­ti­ons­er­war­tungen nicht mehr stabil sind. In einem solchen Fall ist frühzei­tiges Eingreifen weniger kostspielig als eine spätere, aggressive Straffung.

Derzeit sind die langfris­tigen Infla­ti­ons­er­war­tungen in den USA und in Europa noch gut verankert. An ihrer Junisitzung liessen die US-Notenbank Fed und die SNB den Leitzins erwar­tungs­gemäss unver­ändert und dürften dies auch weiterhin tun. Die EZB hingegen hob den Leitzins um 25 Basis­punkte an und übt damit zusätz­lichen Druck auf die Wirtschaft aus.

Anleihen

Die Preise für Obliga­tionen dürften weiterhin unter Druck bleiben, solange Infla­ti­ons­ge­fahren im Vorder­grund stehen. Kursge­winne werden wahrschein­licher, sobald Infla­ti­ons­ängste in Wachs­tums­ängste übergehen und die Renditen sinken. Schweizer Staats­ob­li­ga­tionen mit mittleren Laufzeiten dürften dann wieder attraktiv werden. Wir bevor­zugen bessere Qualität, da die Risiko­prämien am Obliga­tio­nen­markt im histo­ri­schen Vergleich noch immer tief sind.

Währungen

Die allge­meine Dollar­stärke dürfte weiter anhalten. Gründe dafür sind die Zinsdif­ferenz, die zyklische Stärke der US-Wirtschaft und des Aktien­marktes mit entspre­chend positiven Kapital­flüssen, sowie die Tatsache, dass die USA Netto­en­er­gie­ex­porteur sind. In weiten Teilen der übrigen Welt wirkt der Energie­schock eher stagfla­tionär. Die Äusse­rungen von US-Fed-Präsident Kevin Warsh, wonach die Notenbank weiterhin am Infla­ti­onsziel von 2% festhalten will, gaben dem Dollar zusätz­lichen Auftrieb. Die Zinser­höhung der EZB verleiht dem Euro gegenüber dem Schweizer Franken kurzfristig Auftrieb, dürfte angesichts des schwä­cheren zukünf­tigen Wachstums aber nicht nachhaltig sein.

Aktien

Die US-Wirtschaft und der US-Aktien­markt bleiben die globalen Leitmärkte, denen sich der Rest der Welt kaum entziehen kann, solange der primäre Aufwärts­trend in den Wachs­tums­sek­toren rund um die künst­liche Intel­ligenz anhält. Der KI-Inves­ti­ti­ons­zyklus agiert losgelöst vom allge­meinen Wirtschafts­zyklus und dürfte auch 2026 nicht nachlassen. Wir gehen davon aus, dass wir uns im mittleren Drittel dieses Zyklus befinden.

Auffallend ist die zuneh­mende Preis­dif­fe­ren­zierung innerhalb des Aktien­marktes. So verzeichnete der US-Hypers­caler-Index, bestehend aus Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle, seit Jahres­anfang eine Perfor­mance von minus 6.2 %, während der US-Halbleiter-Index um 101.7 % zulegte. Die Heraus­for­derung im aktuellen Markt­umfeld liegt darin, sich nicht vom Hype leiten zu lassen und weiterhin diszi­pli­niert zu inves­tieren. Eine weitere Heraus­for­derung besteht darin, jene Branchen innerhalb der KI-Wertschöp­fungs­kette zu identi­fi­zieren, die als Nächstes von Liefer­eng­pässen und damit von tempo­rärer Preis­macht profi­tieren können.

Die grösste Enttäu­schung blieb bislang die Entwicklung des chine­si­schen Aktien­marktes. Trotz mehrerer möglicher Treiber, dem Natio­nalen Volks­kon­gress im März 2026, dem globalen IT-Boom, der Öffnung der Strasse von Hormus und der Norma­li­sierung der Energie­preise, blieb der erhoffte Ausbruch bislang aus.

Alter­native Anlagen

Der Goldpreis hat kurzfristig deutlich korri­giert. Haupt­grund dafür waren die gestie­genen Renditen an den Obliga­tio­nen­märkten sowie die Tatsache, dass Leitzins­sen­kungen in den USA vorderhand vollständig vom Tisch sind, was die Oppor­tu­ni­täts­kosten für Gold erhöht. Mit dem Durch­bruch der 200-Tage-Linie, einem viel beach­teten techni­schen Indikator, beschleu­nigte sich die Korrektur zusätzlich. Hinzu kommt, dass Inves­toren angesichts des möglichen Endes des Irankrieges, der Norma­li­sierung der Strasse von Hormus und des anhal­tenden Tech-Booms andere Anlage­mög­lich­keiten suchen. Es fehlen derzeit schlicht die margi­nalen Käufer. Die struk­tu­rellen Treiber für Gold bleiben jedoch intakt, weshalb wir einen Wieder­ein­stieg zu attrak­ti­veren Preisen suchen.

Auch bei Schweizer Immobilien belasten die gestie­genen Renditen an den Obliga­tio­nen­märkten die Prämien auf den jewei­ligen Fonds-Netto­in­ven­tar­werten, was zu einer Markt­kor­rektur geführt hat. Wir sehen die derzeitige Schwäche als möglichen Einstiegs­zeit­punkt. Die grund­le­gende Situation im Schweizer Immobi­li­en­markt bleibt unver­ändert positiv, mit hoher Netto­zu­wan­derung und tiefen Leerständen. Gleich­zeitig erwirt­schaften Immobilien eine Ausschüt­tungs­rendite von rund 2.2%, was im Vergleich zu den Renditen von Schweizer Obliga­tionen attraktiv erscheint. Bei der Prämie zum Netto­in­ven­tarwert sehen wir kaum Aufwärts­po­tenzial, weshalb die Ausschüt­tungs­rendite der Haupt­grund für einen Kauf bleibt.

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