Heinz Rüttimann
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US-Zwischen­wahlen 2026: Trifecta in Gefahr

Der Irankrieg hat die politische Ausgangslage für Donald Trump grund­legend verändert. Sechs Monate vor den Zwischen­wahlen steht die republi­ka­nische Mehrheit in beiden Kammern unter Druck.

Zu Jahres­beginn 2026 sah die innen­po­li­tische Lage für die Republi­kaner noch komfor­tabler aus. Doch der Irankrieg hat messbar negative Spuren in Trumps Popula­rität hinter­lassen und damit die Agenda für die Zwischen­wahlen im November neu geschrieben. Höhere Benzin­preise, steigende Lebens­hal­tungs­kosten und ein tieferes Realein­kommen durch die kriegs­be­dingte Inflation sind keine abstrakten Makro­grössen. Sie sind Themen, die an der Urne zählen.

Ende April wird zudem die 60-Tage-Frist der sogenannten War Powers Resolution erreicht. Dieses Gesetz verpflichtet den Präsi­denten, nach 60 Tagen eine formelle Kongress­ermäch­tigung für den Militär­einsatz einzu­holen – verlän­gerbar um weitere 30 Tage. Das erhöht den Druck auf die Trump-Adminis­tration, rasch eine dauer­hafte Lösung zu finden. Dank der republi­ka­ni­schen Mehrheit in beiden Kammern wird Trump diese Ermäch­tigung erhalten. Doch die Trifecta (Präsi­den­tenamt plus Mehrheit in beiden Kammern) steht auf dem Spiel.

Die Afforda­bility-Agenda entscheidet

Trump weiss das. Seine sogenannte Afforda­bility-Agenda, die die reale Einkom­mens­ent­wicklung, Benzin­preise, Wohnkosten sowie Gesund­heits­aus­gaben beinhaltet, wird die Zwischen­wahlen dominieren. Solange der Irankon­flikt die Energie­preise hochhält und die Zinssen­kungen der US-Notenbank nach hinten verschiebt, ist diese Agenda schwer zu liefern. Der US-Leitzins dürfte Ende 2026 bei rund 3.55 Prozent liegen und nicht wie erhofft bei 3.25 Prozent. Zwei Zinsschritte sind zu einem, wenn überhaupt, geschrumpft.

Trumps Reaktion dürfte deshalb zweigleisig sein: Einer­seits wird er den Iran-Deal mit Nachdruck voran­treiben. Dies nicht nur aus aussen­po­li­ti­schem Kalkül, sondern weil sinkende Ölpreise die schnellste Entlastung für ameri­ka­nische Haushalte wären. Anderer­seits darf man bis November mit einer Reihe konven­tio­neller und unkon­ven­tio­neller Stimu­lus­mass­nahmen rechnen. Amerika feiert 2026 sein 250-jähriges Bestehen, dazu kommt die Fussball-WM auf ameri­ka­ni­schem Boden. Gross­ereig­nisse schaffen gute Stimmung, die wiederum förderlich ist für den Wahlkampf. Diese Brot-und-Spiele-Strategie hat schon im alten Rom funktioniert.

Reprä­sen­tan­tenhaus: Mehrheit wackelt

Die Republi­kaner halten im Reprä­sen­tan­tenhaus derzeit eine knappe Mehrheit. Diese zu vertei­digen ist struk­turell schwierig: Bei Zwischen­wahlen liegt die Wahlbe­tei­ligung typischer­weise bei 40 bis 45 Prozent – bei Präsi­dent­schafts­wahlen sind es 60 bis 65 Prozent. Die republi­ka­nische Wähler­basis ist tenden­ziell eher ländlich, ohne Hochschul­ab­schluss und einkom­mens­schwächer und muss stärker mobili­siert werden, um bei Zwischen­wahlen überhaupt zur Urne zu gehen. Gelingt das nicht, profi­tieren die Demokraten. Das Basis­sze­nario: Die Demokraten gewinnen die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Senat: Sehr eng, aber wohl republikanisch

Im Senat ist die Ausgangslage für die Republi­kaner etwas komfor­tabler: Sie halten 53 von 100 Sitzen. Für eine Wende bräuchten die Demokraten vier Gewinne oder einen Patt von 50 zu 50, was in der US-Geschichte erst dreimal vorkam (1881, 1954 und 2001). Bei einem Patt hätte Vizeprä­sident JD Vance den Stich­ent­scheid. Das Basis­sze­nario: Es wird äusserst knapp, aber die Republi­kaner dürften die Mehrheit im Senat knapp behalten.

Was ein geteilter Kongress bedeuten würde

Verlieren die Republi­kaner das Reprä­sen­tan­tenhaus, endet die Trifecta. Grosse Gesetz­ge­bungs­pro­jekte würden blockiert, Trumps innen­po­li­tische Handlungs­fä­higkeit erheblich einge­schränkt. Für die Finanz­märkte wäre das ein relevantes Signal: Weniger fiska­li­scher Spielraum, mehr politische Reibung, unsichere Haushaltspfade.

Gleich­zeitig kennt die Geschichte auch die umgekehrte Dynamik: Ein geteilter Kongress kann Märkte beruhigen, weil er extreme politische Ausschläge in beide Richtungen dämpft. Über die kommenden Monate werden wir verschiedene Wahlsze­narien ausar­beiten und deren mögliche Auswir­kungen auf die Aktien­märkte einschätzen.

Der Iran-Deal als Schlüssel

Am Ende läuft vieles auf eine zentrale Frage hinaus: Gelingt ein Abkommen mit dem Iran recht­zeitig, um die Energie­preise zu senken und die Kaufkraft der ameri­ka­ni­schen Haushalte zu stützen? Sowohl Washington als auch Teheran stehen unter erheb­lichem Druck – die USA aus innen­po­li­ti­schen Gründen, der Iran aus wirtschaft­lichen. Die Einbindung von JD Vance in die Verhand­lungen signa­li­siert den Ernst der Lage. Ein Deal bis zum Herbst ist möglich. Ob er reicht, um die Trifecta zu retten, ist eine andere Frage.

Die Zwischen­wahlen gewinnen als Thema zunehmend an Bedeutung – auch für Anlege­rinnen und Anleger. Denn je nach Ausgang dürften Fiskal­po­litik, Regulierung und Haushaltspfad sehr unter­schied­liche Züge annehmen – mit entspre­chenden Konse­quenzen für die Portfoliopositionierung.

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