Einleitung
In den letzten Tagen fiel der Pegel des Rheins auf neue Rekordtiefststände. In Köln sank der Pegel auf 45cm und bei der kritischen Stelle «Kaub» (Rheinland-Pfalz) gar auf 6 cm (vgl. Grafik 1). Der Rhein ist die wichtigste Wasserstrasse Europas v.a. für Deutschland. Der Anteil des Rheins an der deutschen Binnenschifffahrt beträgt schätzungsweise 80 %. Der Anteil an der gesamten Gütermenge beträgt ca. 4 %. Für gewisse Produkte ist der Anteil aber deutlich höher, bspw. für Eisenerz, Kohle oder Mineralöl.
Lieferengpässe und höhere Kosten für Unternehmen
Der tiefe Rheinpegel führt dazu, dass Schiffe nur noch mit weniger Ladung fahren können. Teilweise kann nur noch ein Drittel der normalen Menge transportiert werden. Dies führt dazu, dass deutlich mehr Schiffe für dieselbe Menge an Gütern benötigt werden. Die Kapazitäten werden also knapper, was höhere Frachtkosten für Unternehmen nach sich ziehen dürfte. Ausweichrouten sind die Bahn, LKWs sowie der Dortmund-Ems-Kanal. Allerdings reicht dies kaum, um höhere Preise zu verhindern.
Welche Sektoren sind besonders betroffen?
Chemieunternehmen, allen voran BASF , sind stark auf den Rhein als Transportweg angewiesen. Hinzu kommen auch die höheren Wassertemperaturen, die die Kühlsysteme der Produktionsanlagen von BASF weniger effizient machen, was zusätzliche Kosten mit sich bringt. Auch die Stahlindustrie ist betroffen. ThyssenKrupp kann die eigene Schiffsflotte für den Transport der Rohstoffe Kohle und Eisenerz nicht mehr nutzen. D.h. der Stahlkonzern muss Schiffe mit weniger Tiefgang mieten, die aber nur teilweise beladen werden können. Einen leicht positiven Effekt könnten Logistiker wie Kühne+Nagel verspüren. Die Schwyzer Firma verschifft Güter über den Rhein und bietet auch Alternativen über die Strasse an. Für den Aktienkurs wichtiger ist derzeit aber die Lage im Nahen Osten und dem Roten Meer. Die Sperre der Meerenge Bab al-Mandab sorgt für mehr Komplexität (positiv für Kühne+Nagel).
Was sind mögliche Auswirkungen der aktuellen Situation?
Die betroffenen Firmen werden versuchen die höheren Transportkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Die Preise für chemische Vor- und Energieprodukte sowie Stahl könnten steigen. Die Spritpreise in den nahegelegenen Regionen verteuern sich ebenfalls. Insgesamt wirkt das Ganze leicht inflationär. Für die Konjunktur in Deutschland erwarten wir ausserdem einen gewissen Bremseffekt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet einen negativen Effekt auf das BIP im 3. Quartal von 0.1 bis 0.2 %.


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