Alle zwei Jahre misst sich Amerika mit sich selbst. Die Zwischenwahlen entscheiden darüber, ob Donald Trump seine politische Handlungsfähigkeit behält – und das hat Folgen weit über die USA hinaus.
Am 3. November 2026 finden in den USA die Zwischenwahlen statt. Sie liegen in der Mitte von Trumps vierjähriger Amtszeit, daher der Name. Anders als bei Präsidentschaftswahlen steht das Weisse Haus nicht zur Wahl, wohl aber der Senat und das Repräsentantenhaus. Im Senat werden 35 Sitze neu gewählt, während alle Mitglieder im Repräsentantenhaus neu gewählt werden.
Von den Total 100 Sitzen im Senat verfügen die Republikaner aktuell über eine Mehrheit von 53 Sitzen, während die Demokraten 45 Sitze für sich beanspruchen können (dazu kommen 2 Unabhängige). Im Repräsentantenhaus ist die Lage enger und die Republikaner halten 218 Sitze, die Demokraten 214 Sitze (Total 435, davon 1 unabhängig, 2 vakant). Erste Wahlprognosen erwarten, dass die Republikaner die Mehrheit im Senat werden verteidigen können, während die Demokraten im Repräsentantenhaus neu die Mehrheit stellen werden.
Grösstmögliche Macht für den Präsidenten?
Ein solcher Wechsel wäre von grosser Bedeutung, da Trump seit Januar 2025 mit einer sogenannten Trifecta regiert. Eine Trifecta bedeutet grösstmögliche Macht für einen Präsidenten, da die Partei des Präsidenten gleichzeitig auch die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus stellt. Dies ist bei den Republikanern derzeit der Fall und erlaubt der Partei Gesetzesvorhaben ohne Zustimmung der Demokraten durchzubringen.
Historisch gesehen hat es in der Vergangenheit immer wieder US-Präsidenten gegeben, die mit einer Trifecta regieren konnten. Der letzte Präsident jedoch, der länger als zwei Jahre mit einer Trifecta regieren konnte war G.W.Bush von 2003 bis 2007. Die nachfolgenden US-Präsidenten Barack Obama, Donald Trump und Joe Biden verloren die Trifecta jeweils bei den Zwischenwahlen. Für Trump ist der Erhalt der Trifecta von grösster Bedeutung, da ein Kontrollverlust des Repräsentantenhaus an die Demokraten seine gesetzgeberische Handlungsfähigkeit stark einschränken würde. Die Demokraten könnten dann republikanische Gesetzesinitiativen stoppen und eigene Gegenentwürfe verabschieden.

Kompromisse oder Stillstand?
Bei Steuern, Sozialausgaben, Gesundheitswesen, Klimapolitik, Einwanderung und Energie wären Kompromisse wahrscheinlicher, oder dann eben Stillstand. Trumps Agenda würde sich dann auf Verordnungen und exekutive Massnahmen verlagern, welche rechtlich und politisch leichter angreifbar sind und eine eingeschränkte Reichweite haben. Weltpolitisch wäre Trumps Handlungsspielraum in der zweiten Amtshälfte ebenfalls eingeschränkt. Aussenpolitisch bliebe er zwar Oberbefehlshaber und zentraler Akteur in Diplomatie, Handel und Sicherheitsfragen. Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus könnte jedoch Mittel für Verteidigung, Auslandshilfe, Ukraine‑, Nahost- oder Bündnispolitik stärker kontrollieren. Verbündete wie Gegner würden diese neue Ausgangslage bei ihrer strategischen Ausrichtung und bei Handelskonflikten oder Sicherheitsfragen mit den USA neu miteinbeziehen.
Die Trifecta zerfällt
Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November 2026 statt und unsere Erwartung ist, dass die Trifeca zerfällt und die Demokraten neu die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben werden. Für die Aktienmärkte gilt ein geteilter Kongress historisch oft als neutral bis leicht positiv, da ein geteilter Kongress abrupte Politikwechsel weniger zulässt und die Planungssicherheit für Unternehmen erhöht. In Anbetracht von Trumps oftmals erratischer Politik über die letzten zwei Jahre dürfte sich dies mittelfristig positiv auf die Aktienmärkte auswirken. Kurzfristig dürfte an den Aktienmärkten die Unsicherheit rund um den Wahlausgang selbst für erhöhte Volatilität sorgen.
Leicht positiver Effekt für die Schweiz
Wenn die Trifecta zerfällt, wäre der Effekt für die Schweizer Wirtschaft ebenfalls leicht positiv zu werten. Zwar gäbe es keine Veränderung bei den US-Zöllen gegen die Schweiz, da sich diese auf exekutive Instrumente (IEEPA, Section 232 und 301) des Präsidenten abstützen. Ein geteilter US-Kongress würde für Schweizer Firmen im US-Geschäft bei Steuern und der Regulierung insgesamt aber zu mehr Rechtssicherheit und Berechenbarkeit führen. Besonders exportorientierte Firmen aus der Pharma‑, Maschinen‑, Luxusgüter- und Finanzbranche könnten davon profitieren. Bei allen Spekulationen rund um die US-Wahlergebnisse, bleibt der entscheidende Faktor für den Schweizer Aktienmarkt aber, dass die US Wirtschaft weiterhin robust bleibt.
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