Emotionen gehören zum Leben, beim Anlegen können sie aber zum Renditekiller werden. Wer langfristig erfolgreich investieren möchte, benötigt nicht nur Fachwissen und eine solide Anlagestrategie. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass die grössten Risiken für den Anlageerfolg oft nicht an den Finanzmärkten lauern, sondern im Verhalten der Investorinnen und Investoren. Emotionen, kognitive Verzerrungen und soziale Einflüsse führen regelmässig zu (Fehl-)Entscheidungen, welche die langfristige Rendite beeinträchtigen können.
Zu den sechs bekanntesten Behavioral-Finance-Fehler gehören:
- Overconfidence – Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
- Verlustaversion – Verluste werden stärker gewichtet als Gewinne
- Herdentrieb – Der Mensch ist ein Herdentier und orientiert sich an anderen
- Confirmation Bias – Die Suche nach Bestätigung
- Recency Bias – Die jüngste Vergangenheit wird überbewertet
- Anchoring – Die Fixierung auf irrelevante Referenzpunkt
In den folgenden Zeilen wollen wir auf diese gängigsten Muster aus der Behavioral-Finance-Theorie eingehen und aufzeigen, wie entsprechende Fehler zu schlechteren Anlageresultaten führen können.
Overconfidence
Selbstüberschätzung kann im Investitionskontext viel Geld kosten. Anlegerinnen und Anleger neigen oft dazu, ihre eigenen Fähigkeiten bei der Auswahl von Einzeltiteln oder der Vorhersage von Marktbewegungen zu überschätzen. Typischerweise führt das dazu, dass zu häufig gehandelt wird, Konzentrationsrisiken resultieren und Risiken unterschätzt werden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Selbstüberschätzung oftmals zu schlechteren Anlageergebnissen führt und besonders aktive Anlegerinnen und Anleger oft schlechter abschneiden als disziplinierte Buy-and-Hold-Investoren.
Verlustaversion
Menschen gewichten Verluste deutlich stärker als gleich hohe Gewinne. Der emotionale Schmerz eines Verlustes ist typischerweise etwa doppelt so stark wie die Freude über einen entsprechenden Gewinn. Diese Verlustaversion führt dazu, dass Anlegerinnen und Anleger häufig Verluste aussitzen, notwendige Verkäufe vermeiden und Gewinner zu früh verkaufen. Und mal ehrlich: wer hat das nicht schon am eigenen Leib erfahren und sich im Stillen darüber geärgert…
Herdentrieb
Ja, der Mensch ist ein Herdentier und orientiert sich gerne an den Entscheidungen anderer. Dieses Verhalten war evolutionär sinnvoll, kann an den Finanzmärkten jedoch problematisch sein. Besonders in Phasen von Euphorie oder Panik entstehen dadurch Marktübertreibungen. Historische Beispiele reichen von der Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre bis zu einzelnen Meme-Aktien der letzten Jahre und viele fragen sich heute: soll ich der KI-Herde noch nachjagen oder ist die Spitze erreicht?
Recency Bias
Der Recency Bias beschreibt die Tendenz von Anlegerinnen und Anlegern, jüngsten Ereignissen eine überproportionale Bedeutung für die Zukunft beizumessen. Positive Marktphasen führen dabei häufig zu übermässigem Optimismus, während Krisen und Kursrückgänge die Erwartungen übertrieben negativ beeinflussen können. Diese Tendenz befeuert zyklisches Verhalten: Anleger neigen dadurch dazu, vergangene Entwicklungen einfach in die Zukunft fortzuschreiben und langfristige Zusammenhänge auszublenden. Dies kann dazu führen, dass nach (zu) starken Kursanstiegen investiert und nach Marktrückgängen verkauft wird – also genau entgegen einer langfristig erfolgreichen Anlagestrategie. Der Recency Bias trägt wesentlich dazu bei, dass viele Anlegerinnen antizyklisches Investieren als psychologisch schwierig empfinden. Auch hier ist der Kursanstieg von IT-Stocks ein guter Gradmesser für die eigene Neigung.
Confirmation Bias
Menschen bevorzugen Informationen, die ihre eigene Meinung bestätigen. Widersprüchliche Informationen werden hingegen häufig ignoriert oder relativiert. Ein Anleger, der von einer Aktie überzeugt ist, sucht deshalb oftmals gezielt nach positiven Nachrichten und blendet Risiken aus. Dadurch resultiert einseitige Informationsverarbeitung, das Unterschätzen von Risiken und eine verzögerte Anpassung von Anlageentscheidungen.
Anchoring
Beim sogenannten Anchoring orientieren sich Anlegerinnen an einem bestimmten Wert, obwohl dieser für die zukünftige Entwicklung oft keine Bedeutung hat. Klassischerweise sind das der ursprüngliche Kaufpreis einer Aktie, frühere Höchststände oder Kursziele von Analysten. Die Frage, ob eine Anlage attraktiv ist, sollte jedoch nicht vom historischen Kaufpreis abhängen, sondern von den zukünftigen Ertrags- und Risikoperspektiven.
Wie vermeide ich diese Fehler?
Die Antwort liegt in rationalen Investitionsentscheiden, welche einer langfristig ausgelegten Anlagestrategie folgt. Behavioral Biases lassen sich nicht vollständig vermeiden. Selbst professionelle Investorinnen und Investoren sind davon betroffen. Erfolgreiche Anlegerinnen und Anleger schaffen deshalb Prozesse, die emotionale Entscheidungen begrenzen. Wer seine Emotionen beherrscht, besitzt einen der nachhaltigsten Wettbewerbsvorteile an den Finanzmärkten.
Bei Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater gerne zur Verfügung.
Bei Anregungen zum Notablog wenden Sie sich bitte an notablog@rahnbodmer.ch.
Rechtliche Hinweise
Die Informationen und Ansichten in diesem Blog dienen ausschliesslich Informationszwecken und stellen insbesondere keine Werbung, Empfehlung, Finanzanalyse oder sonstige Beratung dar. Namentlich ist dieser weder dazu bestimmt, der Leserin oder dem Leser eine Anlageberatung zukommen zu lassen, noch sie oder ihn bei allfälligen Investitionen oder sonstigen Transaktionen zu unterstützen. Entscheide, welche aufgrund der vorliegenden Publikation getroffen werden, erfolgen im alleinigen Risiko der Anlegerin oder des Anlegers.
Weitere Beiträge von Fabienne Hockenjos
