Das erste Quartal 2026 begann ausgesprochen stark, bevor es mit einer breit angelegten Negativperformance an den globalen Aktienmärkten endete. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung war – wenig überraschend – der Irankrieg. Mit wachsender Erkenntnis, dass der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus bis in den April hinein unterbrochen bleiben würde, kippte die Stimmung an den Märkten. Die anschliessende Korrektur weitete sich rasch aus.
Der S&P 500 und der Nasdaq verloren in CHF ‑3.4 % beziehungsweise ‑5.1 %, während der Stoxx 600 um ‑1.6 % nachgab. Auch der sonst eher defensive SPI Index wurde stärker als erwartet getroffen und fiel um ‑2.1 %. Der weniger liquide SPI ex SMI (Schweizer KMU) korrigierte um ‑1 %. Schweizer Immobilien konnten sich ebenfalls nicht entziehen und verloren ‑4.2 %. Positiv entwickelten sich hingegen Gold mit +8.1 % in CHF sowie der MSCI Schwellenländer Index mit +0.8 %.
Konjunktur: Der Irankrieg als globaler Belastungsfaktor
Der Irankrieg befindet sich aktuell in einer Abnutzungsphase. Weder die USA noch der Iran zeigen derzeit Bereitschaft, von ihren Maximalforderungen abzurücken. Mit der Verlegung zusätzlicher US-Truppen in den Nahen Osten dürften die USA erneut die Initiative ergreifen, um eine Entscheidung herbeizuführen. Die militärischen Möglichkeiten des Irans werden durch die Luftüberlegenheit der USA und Israels zunehmend eingeschränkt. Ein Überleben des Regimes dürfte daher nur über eine Annäherung möglich sein.
Das zentrale Makrothema der kommenden Wochen ist die Frage, wann und unter welchen Bedingungen eine Annäherung erfolgen könnte. Ebenso entscheidend ist, ob die aktuell steigenden Öl- und Gaspreise lediglich Inflationsängste schüren oder zusätzlich Wachstumsängste auslösen.
Im Vergleich zu früheren Ereignissen zeigen sich klare Unterschiede: Der US-Liberation Day war ein politisches Ereignis ohne direkte Energiekrise, während der Ukraine-Krieg geografisch auf Europa begrenzt blieb. Der Irankrieg hingegen entfaltet durch die Energieproblematik globale Auswirkungen.
Geldpolitik: Zentralbanken im Wartemodus
Die Inflationsprognosen für 2026 sind aufgrund des Irankriegs derzeit mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Die US-Fed beliess den Leitzins im März 2026 zum zweiten Mal in Folge unverändert bei 3.50–3.75 %. Jerome Powell betonte, dass ein Inflationsschock als vorübergehend betrachtet werde, solange die Inflationserwartungen stabil bleiben.
Auch die EZB hielt ihren Leitzins im März 2026 bei 2 %. Ihre Möglichkeiten, steigende Ölpreise abzufedern, sind begrenzt, und Zinserhöhungen würden das Risiko einer Stagflation erhöhen. Angesichts der Unsicherheiten dürften die Zentralbanken vorerst abwarten.
Anleihen: Chancen erst bei nachlassendem Inflationsdruck
Obligationenpreise könnten weiter unter Druck bleiben, solange Inflationsrisiken dominieren. Erst wenn Inflationsängste in Wachstumsängste übergehen und die Renditen sinken, werden Kursgewinne realistischer.
In diesem Umfeld dürften Schweizer Staatsobligationen mit mittleren Laufzeiten wieder an Attraktivität gewinnen. Unser Fokus liegt dabei klar auf qualitativ hochwertigen Anlagen, da die Risikoprämien historisch weiterhin tief sind.
Währungen: Der US-Dollar bleibt dominant
Der Irankrieg und die damit verbundene Stärke des US-Dollars unterstreichen dessen anhaltende Dominanz im globalen Finanzsystem. Ein abrupter Systemwechsel erscheint weiterhin unwahrscheinlich.
Kurzfristig dürfte die Dollarstärke anhalten. Der Euro konnte sich gegenüber dem CHF dank Erwartungen möglicher Zinserhöhungen im Euroraum von seinen Tiefstständen erholen, allerdings dürfte diese Bewegung kaum nachhaltig sein.
Aktien: Ein eingetrübtes Marktbild
Mit zunehmender Dauer des Kriegs und anhaltend hohen Energiepreisen steigt die Wahrscheinlichkeit von Gewinnrevisionen. Historisch betrachtet stellt die Kombination aus Krieg und Ölpreisschock eine besonders belastende Mischung für Risikoanlagen dar.
Auch ohne unmittelbare Rezession hat sich das technische Marktbild verschlechtert: Sechs von vierzehn Aktienmärkten sind unter die viel beachtete 200-Tages-Linie gefallen. Diese gilt als wichtiger Indikator für langfristige Trends, insbesondere wenn gleichzeitig die Marktbreite abnimmt und sich die Finanzierungskonditionen verschlechtern.
Zwar sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse gesunken, während die Gewinnerwartungen bisher kaum angepasst wurden, doch bleiben zentrale Fragen offen: Wie entwickeln sich die Gewinne weiter und kann der MSCI Welt ex USA seinen Outperformance-Trend fortsetzen?
Alternative Anlagen: Gold und Immobilien im Fokus
Der Goldpreis hat kurzfristig deutlich korrigiert. Gründe dafür sind Gewinnmitnahmen, erhöhte Liquiditätsbedürfnisse sowie leicht gestiegene Obligationenrenditen und ein stärkerer US-Dollar. Die Schwäche ist jedoch nicht Ausdruck eines Vertrauensverlusts, sondern vielmehr eine Folge technischer Faktoren. Die strukturellen Treiber – darunter Zentralbankkäufe, hohe Verschuldung im Westen und geopolitische Risiken – bleiben intakt.
Auch Schweizer Immobilien verzeichneten im Zuge des Irankriegs Preisrückgänge sowie sinkende Prämien auf Fonds-NAVs. Die aktuelle Schwäche könnte einen ersten Einstiegszeitpunkt darstellen. Aufgrund anhaltender Unsicherheiten empfiehlt sich jedoch ein gestaffeltes Vorgehen. Mit einer Ausschüttungsrendite von rund 2.5 % bleiben Immobilien im Vergleich zu Schweizer Obligationen attraktiv.
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