Heinz Rüttimann
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Märkte unter Druck: Turbu­lenter Start ins 2026

Das erste Quartal 2026 begann ausge­sprochen stark, bevor es mit einer breit angelegten Negativ­per­for­mance an den globalen Aktien­märkten endete. Haupt­ver­ant­wortlich für diese Entwicklung war – wenig überra­schend – der Irankrieg. Mit wachsender Erkenntnis, dass der Schiffs­verkehr in der Strasse von Hormus bis in den April hinein unter­brochen bleiben würde, kippte die Stimmung an den Märkten. Die anschlies­sende Korrektur weitete sich rasch aus.

Der S&P 500 und der Nasdaq verloren in CHF ‑3.4 % bezie­hungs­weise ‑5.1 %, während der Stoxx 600 um ‑1.6 % nachgab. Auch der sonst eher defensive SPI Index wurde stärker als erwartet getroffen und fiel um ‑2.1 %. Der weniger liquide SPI ex SMI (Schweizer KMU) korri­gierte um ‑1 %. Schweizer Immobilien konnten sich ebenfalls nicht entziehen und verloren ‑4.2 %. Positiv entwi­ckelten sich hingegen Gold mit +8.1 % in CHF sowie der MSCI Schwel­len­länder Index mit +0.8 %.

Konjunktur: Der Irankrieg als globaler Belastungsfaktor

Der Irankrieg befindet sich aktuell in einer Abnut­zungs­phase. Weder die USA noch der Iran zeigen derzeit Bereit­schaft, von ihren Maximal­for­de­rungen abzurücken. Mit der Verlegung zusätz­licher US-Truppen in den Nahen Osten dürften die USA erneut die Initiative ergreifen, um eine Entscheidung herbei­zu­führen. Die militä­ri­schen Möglich­keiten des Irans werden durch die Luftüber­le­genheit der USA und Israels zunehmend einge­schränkt. Ein Überleben des Regimes dürfte daher nur über eine Annäherung möglich sein.

Das zentrale Makro­thema der kommenden Wochen ist die Frage, wann und unter welchen Bedin­gungen eine Annäherung erfolgen könnte. Ebenso entscheidend ist, ob die aktuell steigenden Öl- und Gaspreise lediglich Infla­ti­ons­ängste schüren oder zusätzlich Wachs­tums­ängste auslösen.

Im Vergleich zu früheren Ereig­nissen zeigen sich klare Unter­schiede: Der US-Liberation Day war ein politi­sches Ereignis ohne direkte Energie­krise, während der Ukraine-Krieg geogra­fisch auf Europa begrenzt blieb. Der Irankrieg hingegen entfaltet durch die Energie­pro­ble­matik globale Auswirkungen.

Geldpo­litik: Zentral­banken im Wartemodus

Die Infla­ti­ons­pro­gnosen für 2026 sind aufgrund des Irankriegs derzeit mit erheb­lichen Unsicher­heiten behaftet. Die US-Fed beliess den Leitzins im März 2026 zum zweiten Mal in Folge unver­ändert bei 3.50–3.75 %. Jerome Powell betonte, dass ein Infla­ti­ons­schock als vorüber­gehend betrachtet werde, solange die Infla­ti­ons­er­war­tungen stabil bleiben.

Auch die EZB hielt ihren Leitzins im März 2026 bei 2 %. Ihre Möglich­keiten, steigende Ölpreise abzufedern, sind begrenzt, und Zinser­hö­hungen würden das Risiko einer Stagflation erhöhen. Angesichts der Unsicher­heiten dürften die Zentral­banken vorerst abwarten.

Anleihen: Chancen erst bei nachlas­sendem Inflationsdruck

Obliga­tio­nen­preise könnten weiter unter Druck bleiben, solange Infla­ti­ons­ri­siken dominieren. Erst wenn Infla­ti­ons­ängste in Wachs­tums­ängste übergehen und die Renditen sinken, werden Kursge­winne realistischer.

In diesem Umfeld dürften Schweizer Staats­ob­li­ga­tionen mit mittleren Laufzeiten wieder an Attrak­ti­vität gewinnen. Unser Fokus liegt dabei klar auf quali­tativ hochwer­tigen Anlagen, da die Risiko­prämien histo­risch weiterhin tief sind.

Währungen: Der US-Dollar bleibt dominant

Der Irankrieg und die damit verbundene Stärke des US-Dollars unter­streichen dessen anhal­tende Dominanz im globalen Finanz­system. Ein abrupter System­wechsel erscheint weiterhin unwahrscheinlich.

Kurzfristig dürfte die Dollar­stärke anhalten. Der Euro konnte sich gegenüber dem CHF dank Erwar­tungen möglicher Zinser­hö­hungen im Euroraum von seinen Tiefst­ständen erholen, aller­dings dürfte diese Bewegung kaum nachhaltig sein.

Aktien: Ein einge­trübtes Marktbild

Mit zuneh­mender Dauer des Kriegs und anhaltend hohen Energie­preisen steigt die Wahrschein­lichkeit von Gewinn­re­vi­sionen. Histo­risch betrachtet stellt die Kombi­nation aus Krieg und Ölpreis­schock eine besonders belas­tende Mischung für Risiko­an­lagen dar.

Auch ohne unmit­telbare Rezession hat sich das technische Marktbild verschlechtert: Sechs von vierzehn Aktien­märkten sind unter die viel beachtete 200-Tages-Linie gefallen. Diese gilt als wichtiger Indikator für langfristige Trends, insbe­sondere wenn gleich­zeitig die Markt­breite abnimmt und sich die Finan­zie­rungs­kon­di­tionen verschlechtern.

Zwar sind die Kurs-Gewinn-Verhält­nisse gesunken, während die Gewinn­erwar­tungen bisher kaum angepasst wurden, doch bleiben zentrale Fragen offen: Wie entwi­ckeln sich die Gewinne weiter und kann der MSCI Welt ex USA seinen Outper­for­mance-Trend fortsetzen?

Alter­native Anlagen: Gold und Immobilien im Fokus

Der Goldpreis hat kurzfristig deutlich korri­giert. Gründe dafür sind Gewinn­mit­nahmen, erhöhte Liqui­di­täts­be­dürf­nisse sowie leicht gestiegene Obliga­tio­nen­ren­diten und ein stärkerer US-Dollar. Die Schwäche ist jedoch nicht Ausdruck eines Vertrau­ens­ver­lusts, sondern vielmehr eine Folge techni­scher Faktoren. Die struk­tu­rellen Treiber – darunter Zentral­bank­käufe, hohe Verschuldung im Westen und geopo­li­tische Risiken – bleiben intakt.

Auch Schweizer Immobilien verzeich­neten im Zuge des Irankriegs Preis­rück­gänge sowie sinkende Prämien auf Fonds-NAVs. Die aktuelle Schwäche könnte einen ersten Einstiegs­zeit­punkt darstellen. Aufgrund anhal­tender Unsicher­heiten empfiehlt sich jedoch ein gestaf­feltes Vorgehen. Mit einer Ausschüt­tungs­rendite von rund 2.5 % bleiben Immobilien im Vergleich zu Schweizer Obliga­tionen attraktiv.

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