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Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Nach einem starken Start ins Jahr 2026 ist die gesamte Jahres­per­for­mance innerhalb von zwei Wochen wegge­schmolzen wie der Schnee in den Bergen. Anstatt «Frühlings­ge­fühle» kommen «gemischte Gefühle» auf, wenn es um die Geopo­litik, die Weltwirt­schaft und das Anlegen in einem höchst unsicheren Umfeld geht, aktuelles Stichwort: der Irankrieg.

Aufgrund des Irankrieges sind die Schlag­zeilen rund um die US-Hypers­calers derzeit in den Hinter­grund getreten. Über kurz oder lang werden sie aber wieder ein Thema werden. Im S&P.500-Index beträgt der Anteil der Magni­ficent Sieben rund 34 %. Damit hängt die relative Perfor­mance der USA stark von wenigen Mega-Caps ab. Schwä­chelt dieser Sektor, ist eine Outper­for­mance des Gesamt­marktes gegenüber dem Rest der Welt kaum mehr möglich.

US-Techriesen – vorüber­ge­hende Ruhe

Der US-Markt befand sich seit Jahres­anfang bis zum Ausbruch des Irankrieges in einer solchen Schwä­che­phase. Als logische Schluss­fol­gerung wandten sich Anlege­rinnen und Anleger für eine relative Outper­for­mance zunehmend von den USA ab und bevor­zugten Anlagen im Rest der Welt.

Diese strate­gische Ausrichtung hat nach wie vor ihre Berech­tigung, muss aber mit dem Irankrieg kurzfristig überdacht werden. Dabei spielen vor allem zwei Faktoren eine wichtige Rolle.

US-Konsument – ungebro­chene Abhängigkeit

Der Rest der Welt ist nach wie vor stark abhängig von den USA und vor allem vom US-Konsu­menten, da der private Konsum knapp 70 % des US Brutto­in­land­pro­dukts (BIP) ausmacht. Trotz den Zöllen haben die USA im Jahr 2025 wiederum ein enormes Handels­de­fizit von USD 902 Mrd. (3.9 % des US-BIP) angehäuft und damit die Export­über­schüsse anderer Länder finanziert.

US-Ameri­ka­ne­rinnen und US-Ameri­kaner halten bekanntlich einen hohen Anteil ihres Vermögens in Aktien. Je nach weiterer Entwicklung des Irankrieges könnte es zu einer starken Korrektur an den US-Märkten kommen und dementspre­chend zu einem Vermö­gens­verlust. Ein solcher wiederum würde den Konsum negativ beein­flussen, das Handels­de­fizit verringern und die US-Konsum­schwäche auf den Rest der Welt übertragen.

Das Worst-Case-Szenario wäre ein Crash im US-IT Sektor gefolgt von einer US-Wirtschafts­re­zession. In einem solchen Szenario würde der Rest der Welt die US-Börsen kaum mehr outper­formen: Zum einen aufgrund der wirtschaft­lichen Abhän­gig­keiten zum US-Markt und zum anderen, weil der Rest der Welt eine grössere zyklische Ausrichtung hat.

Strasse von Hormus – schick­sal­haftes Nadelöhr

Die weltweiten Aktien­märkte hängen kurzfristig fast vollständig von einer einzigen Frage ab: Wie schnell können sich die Öllie­fe­rungen durch die Strasse von Hormus wieder norma­li­sieren? Das Zeitfenster für eine Norma­li­sierung ist kurz und beträgt vielleicht zwei bis drei Wochen. Bei einer Norma­li­sierung wäre der Angebots­schock zwar erheblich, aber nicht maximal disruptiv. Das Haupt­problem ist, dass die Risiken asymme­tri­scher Natur sind. Sprich, bleibt die Norma­li­sierung aus, würde der Ölpreis spürbar stärker steigen und zu einer deutlich stärkeren Aktien­markt­kor­rektur führen.

Das Problem liegt in der schieren Grössen­ordnung des möglichen Ausfalls. Je nach Quelle ist der derzeitige Einbruch der Ölpro­duktion bis zu 17-mal grösser als der Einbruch der russi­schen Ölpro­duktion im April 2022 mit dem Ukraine-Krieg. Während ein längerer Ausfall und höhere Preise Europa und Asien besonders hart treffen würden, sind die USA aufgrund ihrer Ölunab­hän­gigkeit relativ gut abgeschirmt. Dasselbe bei den Gaspreisen. Während Europa und Asien unter ausfal­lenden LNG-Liefe­rungen aus Katar leiden, sind die USA wenig davon betroffen. Damit schlägt die inter­na­tionale Gasver­knappung vor allem in Europa und Asien auf die Strom­preise durch.

Markt­re­ak­tionen – Öl hui, Gold pfui

Die Finanz­märkte haben bisher ganz unter­schiedlich auf den Irankrieg reagiert. Bei den Aktien­märkten kam es wenig überra­schend zu einer Korrektur, wobei sich die zuvor laufende Rotation «raus aus US-Aktien» und «rein in inter­na­tionale Titel» kurzfristig umgekehrt hat. Es scheint, dass Inves­toren in unsicheren Zeiten nach wie vor verstärkt auf US-Assets setzen.

Der Ölpreis als zentraler Übertra­gungs­kanal dieser Krise ist von 70 auf fast 120 Dollar gestiegen und hat inzwi­schen wieder korri­giert. Für Inves­toren bleibt er auch weiterhin die Fieber­kurve der Weltwirtschaft.

Die bisher grosse Enttäu­schung ist Gold, das die meisten Inves­toren als Hedge-Funktion im Portfolio eingebaut haben. Trotz Kriegs­sze­nario und Preis­explosion beim Öl stieg der Goldpreis lediglich kurz auf 5320 Dollar, bevor er wieder korri­gierte. Für Inves­to­rinnen und Inves­toren gilt es, diese Preis­dy­namik ernst zu nehmen. Denn wenn man sich der Hedge-Funktion bei Gold nicht mehr sicher sein kann, wird Cash plötzlich eine attraktive Alternative.

Warum in die Ferne schweifen …

Im Grundsatz gilt, je höher die Unsicher­heiten, desto weniger grosse Makro-Wetten eingehen. Beim Irankrieg ist genau dies der Fall, unabhängig davon, ob er länger dauern oder plötzlich endet. Mit der kürzlichen Korrektur bietet der Schweizer Aktien­markt wieder attraktive Anlage­mög­lich­keiten in einem Safe-Haven-Staat und in einer Safe-Haven-Währung.

Bei den gross­ka­pi­ta­li­sierten Unter­nehmen hat die Dividen­den­saison gestartet, und rund 80 % der Ausschüt­tungen finden zwischen März und Mai statt. Die bishe­rigen Indika­tionen der klassi­schen Dividen­den­zahler deuten grund­sätzlich auf stabile oder steigende Zahlungen hin. Die durch­schnitt­liche Dividen­den­rendite im SPI beträgt rund 3 %.

Auch Mid- und Small Caps attraktiv

Es bieten sich aber auch Anlagen in Schweizer KMU an. Die Dividen­den­rendite im SPI ex SMI ist mit 2.5 % zwar nicht so hoch. Dafür ist der Index attrak­tiver bewertet als der SPI und hatte Ende Februar 2026 sein bishe­riges Allzeit­höchst von September 2021 übertroffen. Dies sorgt in der Regel für die nötige Aufmerk­samkeit im Markt und zieht weitere Inves­toren an.

Sollte zu guter Letzt doch alles anders kommen als gedacht und der Irankrieg deutlich länger dauern, ist man mit dem Schweizer Franken ebenfalls bereits bestens positioniert.

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