In der Schweiz herrscht Anlagenotstand: Nach einem kurzen Versuch, die Zinsen wieder über die Nulllinie zu hieven und eine Normalisierung des Zinsumfeldes zu erzielen, musste sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) dem Druck erneut beugen und sah sich gezwungen, den Leitzins im vergangenen Jahr wieder auf Null zu senken. Damit stellt sie Schweizer Anlegerinnen und Anleger in einem Umfeld, wo (geo-)politische Spannungen bereits für grosse Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten sorgen, erneut vor eine grosse Herausforderung. Auch wenn wir derzeit davon ausgehen, dass Negativzinsen nicht nochmals ausgerufen werden müssen, prägt das Tiefzinsumfeld die Schweizer Anlagelandschaft. Auf dem sicheren Bankkonto erhält man nahezu keinen Zins und man könnte das Geld (fast) ebenso gut unter dem Kopfkissen horten. Auch Obligationen, aus Risikogesichtspunkten eine wichtige Anlageklasse, werfen so gut wie keine Rendite mehr ab. Der gängige Swiss Bond Index, der die Entwicklung des in Schweizer Franken denominierten Anleihenmarktes (Staats- und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating) repräsentiert, wirft noch eine Rendite von unter einem Prozent ab.
Dividendentitel als Obligationenersatz
Eine viel genannte Alternative zu Obligationen sind Dividendenanlagen, gerade mit Blick auf die bevorstehende Hochsaison der Generalversammlungen und der darauffolgenden Dividendenausschüttungen gewinnt das Thema an Momentum. Angesichts des vorherrschenden Tiefzinsumfeld ist eine Dividendenstrategie tatsächlich ein veritables Mittel, um dem Anlagenotstand zumindest ein bisschen zu trotzen. Der Schweizer Aktienmarkt weist derzeit – trotz Nullzinspolitik der SNB — eine Dividendenrendite von knapp 3 % aus. Mit einem Fokus auf eine erhöhte Ausschüttung lässt sich diese deutlich über 3 % erhöhen. Natürlich unterscheidet sich Aktien aus Risikogesichtspunkten signifikant von Obligationen, für langfristig orientierte Anleger mit entsprechender Risikofähigkeit kann eine Dividendenstrategie oder zumindest eine Ergänzung des bestehenden Portfolios um ausschüttungsstarke Unternehmen dennoch äusserst sinnvoll sein, denn Dividendenstrategien haben einige spannende Vorzüge:
- Dividendenstrategien generieren einen regelmässigen und planbaren Cashflow
- Sie reduzieren die Abhängigkeit von reinen Kursgewinnen
- Unternehmen mit stabilen Dividenden verfügen oft über robuste Geschäftsmodelle
- Nachhaltige Ausschüttungen sind zudem ein Indikator für solide Bilanzqualität
- Dividenden wirken in volatilen Marktphasen stabilisierend auf das Portfolio
- Dividendenstarke Titel weisen historisch häufig eine geringere Volatilität auf
Was gilt es zu beachten?
Dividendenaktien sind also gerade im derzeitigen Umfeld eine spannende Alternative zu Obligationen. Es gilt jedoch zu beachten, dass für eine höhere Ausschüttung auch mehr Risiko in Kauf genommen werden muss. Im Allgemeinen gilt, je höher das Risiko, desto höher die erwartete Rendite. Dies gilt auch bei Dividendenstrategien, denn das Risiko von Kursschwankungen ist auch bei ausschüttungsstarken Aktien teils deutlich höher als bei Obligationen. Die Formulierung, dass Dividendentitel einen Obligationenersatz darstellen, gilt also nur im Volksmund und ist im eigentlichen Sinne nicht korrekt. Zudem ist nicht jede Aktie mit einer hohen Ausschüttung eine Dividendenperle. Die Qualität der Unternehmen und die nachhaltige Möglichkeit, eine Ausschüttung hochzuhalten sollten unbedingt mitberücksichtigt werden. Damit stellt sich nun also die Fragen, welche Aktien in diesem Jahr zu den begehrtesten Dividendenperlen gehören.
Dividendenperlen für das Portfolio
Typischerweise zählen wir in der Schweiz die drei Indexschwergewichte Novartis, Nestlé und Roche zu den klassischen Dividendenperlen. Deren Dividendenrenditen variieren in diesem Jahr von 3.6 % für Novartis, 2.7 % für Roche und Nestlé mit 3.7 % und können somit als attraktiv angesehen werden. Hinzu gesellen sich Finanztitel wie Zurich mit 5.2 % oder Banque Cantonale de Vaudoise (BCV) mit 3.7 %. Auch der Schweizer Telekommunikationsbereich überzeugt mit Sunrise (7.0 %) und Swisscom (3.8 %). Im Industriesektor ist der Prüf- und Testkonzern SGS mit einer überdurchschnittlichen Dividende erwähnenswert (Rendite 3.2 %), wobei Anlegerinnen und Anleger zwischen Cash und weiteren Aktien (mit einem Abschlag von 5 %) wählen können. Blicken wir noch auf Europa gesellen sich weitere Sektoren als Favoriten hinzu wie z.B. Anbieter von Infrastruktur sowie Energie und Ölfirmen. Dabei überzeugen uns derzeit als Dividendentitel vor allem Vinci (3.5 %), Shell (4.3 %) und Total Energies (4.8 %). Hier gilt es jedoch zu beachten, dass zusätzlich zu den Kursbewegungen auch noch Währungsrisiken mitberücksichtigt werden müssen.
Fazit
In einem strukturell tieferen Zinsumfeld gewinnen Dividendenstrategien erneut an Bedeutung. Während Obligationen vielfach nur begrenzte laufende Erträge bieten, kombinieren dividendenstarke Aktien regelmässige Ausschüttungen mit langfristigem Wachstumspotenzial. Unternehmen mit nachhaltiger Dividendenpolitik zeichnen sich häufig durch stabile Cashflows, solide Bilanzen und eine disziplinierte Kapitalallokation aus. Dies führt historisch nicht nur zu einer attraktiven laufenden Rendite, sondern oft auch zu geringerer Volatilität im Vergleich zum Gesamtmarkt. Dividendenstrategien kombinieren also laufenden Ertrag, Stabilität und langfristigen Vermögensaufbau – besonders attraktiv in Phasen tiefer Zinsen und erhöhter Unsicherheit, wie wir sie jetzt durchleben und sind deshalb gerade jetzt eine spannende Anlageopportunität.
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