Heinz Rüttimann
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Krieg im Iran mit geopo­li­ti­schen Hintergründen

Die geopo­li­tische Situation im Iran ist angespannt und schwer vorher­sehbar, vor allem nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei am 28. Februar 2026 durch einen US-israe­li­schen Luftan­griff. Der Iran befindet sich in einer tiefen politi­schen Krise, wobei unklare Szenarien von Regime­kon­ti­nuität bis zu einem Kollaps oder Volks­auf­stand möglich sind.

Der Übergangsrat als vorläufige Führung

Nach Chameneis Tod tritt gemäss der irani­schen Verfassung ein Übergangsrat in Kraft, der aus dem Präsi­denten Massud Peseschkian, dem Chef des Justiz­systems Gholam­hossein Mohseni-Edsche und einem Vertreter des Wächterrats besteht. Dieser Rat wird die Funktion des Obersten Führers bis zur Wahl eines Nachfolgers übernehmen. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Übergangs­prozess verläuft und welche Kräfte im Iran Einfluss gewinnen.

Die Rolle der Revolu­ti­ons­garden (IRGC)

Die IRGC sind die Schlüs­sel­kraft im irani­schen System. Sie kontrol­lieren nicht nur das Militär, sondern auch grosse Teile der Wirtschaft. In einer Zeit politi­scher Insta­bi­lität könnte die IRGC eine militä­rische Diktatur etablieren, um das Regime zu stabi­li­sieren. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit einer Spaltung innerhalb der IRGC, bei der moderate Kräfte in Zusam­men­arbeit mit der regulären Armee (Artesh) versuchen könnten, das System zu reformieren.

Die Armee (Artesh)

Die reguläre Armee, mit rund 350’000 aktiven Soldaten, ist die grösste Streit­kraft im Iran, jedoch weitgehend politisch neutra­li­siert. Die Artesh hat seit 1979 an Einfluss verloren und ist stark von den IRGC kontrol­liert. Sie verfügt über veral­tetes Equipment und ist für militä­rische Putsche kaum in der Lage, die Macht zu übernehmen, ohne Unter­stützung von anderen Kräften.

Das Szenario eines Systemwechsels

Ein System­wechsel im Iran könnte durch moderate Kräfte innerhalb der IRGC oder durch eine Spaltung innerhalb des Militärs herbei­ge­führt werden. Diese Kräfte könnten eine «kontrol­lierte Öffnung» des Systems ermög­lichen, mögli­cher­weise durch pragma­tische Verhand­lungen mit dem Westen. Die Quds-Einheiten, die ideolo­gi­schen Hardliner innerhalb der IRGC, würden jedoch jedes Reform­vor­haben mit allen Mitteln bekämpfen.

Die Fähigkeit der Bevöl­kerung, einen Umsturz zu erzwingen, ist aufgrund der komplexen und brutal struk­tu­rierten Repres­si­ons­ap­parate der IRGC unwahr­scheinlich. Diese umfassen die Basidsch-Miliz, die regulären IRGC-Boden­truppen, spezia­li­sierte Polizei­ein­heiten und die Quds-Einheiten.

Die Strasse von Hormuz und ihre geopo­li­tische Bedeutung

Die Strasse von Hormuz ist eine der wichtigsten globalen Handels­routen, durch die etwa 20 % des weltweit gehan­delten Öls fliessen. Für den Iran ist die Strasse nicht nur ein strate­gi­sches Druck­mittel, sondern auch die wirtschaft­liche Lebensader, da ein Grossteil des irani­schen Öls nach China expor­tiert wird. China hat daher ein grosses Interesse daran, dass die Strasse offen bleibt, während die USA militä­rische Überle­genheit besitzen, um eine Blockade durch den Iran zu verhindern.

Geopo­li­tische Ziele der USA

Der Angriff auf den Iran war kein Zufall, sondern Teil eines strate­gi­schen Plans der USA, das geopo­li­tische Gleich­ge­wicht im Nahen Osten zu verändern. Durch den Ausschluss der Führungs­riege des Iran hoffen die USA, das System zu desta­bi­li­sieren und inner­i­ra­nische Kräfte zu einem System­wechsel zu bewegen. Gleich­zeitig wird die iranische Rüstungs- und Atomin­dustrie gezielt geschwächt, um den Iran um ein Jahrzehnt oder mehr zurück­zu­werfen. Dies würde auch die militä­ri­schen Opera­tionen der Huthis und Hisbollah einschränken.

Parallel dazu verfolgen die USA das Ziel, den Krieg in der Ukraine zu beenden, indem sie die russische Kriegs­ma­schi­nerie schwächen. Iran hat Russland mit Waffen unter­stützt, und der US-Angriff auf den Iran soll auch diesen militä­ri­schen Fluss unter­brechen. Gleich­zeitig wird ein Signal an Russland und andere poten­zielle Unter­stützer gesendet, dass eine Zusam­men­arbeit mit autori­tären Regimen Konse­quenzen haben könnte.

Die Rolle Chinas im geopo­li­ti­schen Schachzug

Der Angriff auf Iran verfolgt auch das Ziel, China zu beein­flussen. China ist der grösste Importeur von irani­schem Öl, und die USA haben nun die Kontrolle über die Strasse von Hormuz, die für die chine­sische Energie­ver­sorgung von entschei­dender Bedeutung ist. Sollte China in Handels­fragen oder zu Taiwan nicht koope­rieren, könnte die USA die irani­schen Öl-Terminals blockieren und China die Energie­ver­sorgung entziehen. Dies würde enorme negative Auswir­kungen auf die chine­sische Industrie haben.

Auswir­kungen auf die geopo­li­tische Landschaft

Mit dem Angriff auf Iran zielt die USA darauf ab, das Macht­gefüge im Nahen Osten zu verändern, Iran von seiner Rüstungs- und Atompo­litik zurück­zu­werfen und gleich­zeitig Russland und seine Unter­stützung für den Ukraine-Krieg zu schwächen. Auch China wird in diesem geopo­li­ti­schen Schachzug berück­sichtigt, da der Iran eine Schlüs­sel­rolle in Chinas Energie­ver­sorgung spielt.

Die USA und das geopo­li­tische Schachbrett

Donald Trump hat mit diesem Angriff nicht nur die Kontrolle über den Nahen Osten verstärkt, sondern auch sein Verhand­lungs­blatt für das bevor­ste­hende Treffen mit Xi Jinping in Peking erheblich gestärkt. Der US-Angriff auf Iran verschafft Trump geopo­li­tische Vorteile und könnte auch die US-Zölle und Handels­be­zie­hungen beeinflussen.

Unsere Positio­nierung

Obwohl der Angriff auf den Iran die geopo­li­tische Lage verändert hat, sehen wir die Gross­wet­terlage weiterhin als stabil. Der Ölpreis stieg zunächst auf USD 78, doch wir erwarten, dass er sich nach einem Zwischenhoch wieder norma­li­sieren wird. Die US-Dominanz in der Wirtschaft, Militär und Geopo­litik könnte in dieser globalen Unsicherheit für Beruhigung sorgen. Die Märkte könnten volatiler werden, doch wir gehen nicht davon aus, dass sich der Konflikt regional ausweiten wird.

Fazit

Der Angriff auf den Iran ist Teil eines grösseren geopo­li­ti­schen Schachzugs der USA, um die Kontrolle über den Nahen Osten zu sichern, Russland zu schwächen und China unter Druck zu setzen. Der Ölpreis könnte kurzfristig steigen, doch wir erwarten eine Norma­li­sierung. Das geopo­li­tische Gleich­ge­wicht wird durch diese Operation auf lange Sicht mögli­cher­weise stabiler.

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