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Daten­zentren-Inves­ti­tionen als Wachstumstreiber

Die Anzahl der Rechen­zentren weltweit wächst. Gemäss Goldman Sachs könnte die Nachfrage bis 2027 um 50 % steigen (92 Gigawatt), und die Energie­nach­frage bis 2030 um 165 % (Basis 2023). Ein wesent­licher Treiber für den Ausbau von Rechen­zentren ist die Nutzung von künst­licher Intel­ligenz (KI), insbe­sondere durch generative KI-Tools wie ChatGPT, die enorme Cloud-Rechen­leistung erfordern. Hyperscale-Rechen­zentren, die grössere Kapazi­täten und mehr Rechen­leistung bieten, werden zunehmend für daten­in­tensive Anwen­dungen wie generative KI und «Agentic» KI gebaut. Tech-Giganten wie Amazon, Google, Microsoft und Meta inves­tieren Milli­arden, um ihre Rechen­zen­trums­ka­pa­zi­täten für KI auszubauen.

Was ist ein Rechenzentrum?

Ein Rechen­zentrum ist eine Einrichtung, die zum Speichern und Verteilen grosser Daten­mengen dient. Der Markt für Rechen­zentren lässt sich eigentlich in zwei bzw. drei Haupt­ka­te­gorien unterteilen:

  • Colocation-Rechen­zentren bieten Platz in einem Gebäude, der an Dritte zur Unter­bringung ihrer Netzwerk­geräte oder Server vermietet wird, wobei sich mehrere Unter­nehmen denselben Raum teilen können.
  • Hyperscale-Rechen­zentren sind Einrich­tungen, die von Anbietern wie z.B. Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta benötigt werden.
  • Die dritte Kategorie sind die Enter­prise On-Premise Rechen­zentren, die von Unter­nehmen aller Art selber betrieben werden; dieser Anteil sinkt jedoch, da vermehrt Colocation-Kapazi­täten gemietet werden.

Kapital­aus­gaben treiben die Konjunktur an

Wie oben schon beschrieben, befinden sich die globalen Hypers­caler aktuell in einer Phase deutlich erhöhter Inves­ti­ti­ons­tä­tigkeit. In den ersten neun Monaten letzten Jahres hat der Bau von Rechen­zentren 17 % des realen Konjunk­tur­wachstums in den verei­nigten Staaten ausge­macht. Anders als bei früheren Digita­li­sie­rungs­wellen liegt der Schwer­punkt dieser Inves­ti­tionen weniger auf Software, sondern zunehmend auf physi­scher Infra­struktur. Die jüngsten Ankün­di­gungen zeigen, dass die führenden Hypers­caler für 2026 zusammen Kapital­aus­gaben (CAPEX) von über USD 600 Mrd. planen. Im Zentrum stehen der Bau und die Erwei­terung von Rechen­zentren, leistungs­fähige Server- und Beschleu­ni­ger­ar­chi­tek­turen (insbe­sondere GPU-basierte Systeme) und damit energie­ef­fi­ziente Strom­ver­sor­gungs­lö­sungen sowie hochspe­zia­li­sierte Kühl- und Kontroll­systeme. Damit verschiebt sich die Wertschöpfung entlang der Techno­lo­gie­kette klar in Richtung indus­tri­eller Präzisionslösungen.

Wichtige Regionen

Der Ausbau von Rechen­zentren konzen­triert sich geogra­fisch auf wenige Kernre­gionen, in denen Nachfrage, Energie­ver­füg­barkeit, Netzwerk­an­bindung und regula­to­rische Rahmen­be­din­gungen zusam­men­kommen. Der mit Abstand grösste Teil der globalen Kapazität entsteht weiterhin in Nordamerika, insbe­sondere in den USA. Treiber sind die Nähe zu den grossen Hypers­calern, tiefe Strom­kosten in ausge­wählten Regionen sowie ein ausge­reiftes Ökosystem aus Bau‑, Energie- und Netzwerkinfrastruktur.

Europa gewinnt zunehmend an Bedeutung, vor allem in Kernmärkten wie Nordeuropa (insbe­sondere aufgrund günstiger Energie- und Kühlbe­din­gungen), Westeuropa sowie ausge­wählten Ballungs­räumen mit hoher Cloud- und Unter­neh­mens­nach­frage. Zusätzlich spielen Themen wie Daten­hoheit und regula­to­rische Anfor­de­rungen eine wachsende Rolle, was zu mehr regio­naler Kapazi­täts­bildung führt.

In Asien liegt der Fokus auf wirtschafts­starken und daten­in­ten­siven Märkten, insbe­sondere in Ost- und Südost­asien. Dort treiben sowohl lokale Cloud-Anbieter als auch inter­na­tionale Hypers­caler den Ausbau, um Nähe zu Endkunden, niedrige Latenzen und regula­to­rische Vorgaben zu erfüllen.

Schweizer Firmen gut positioniert

Ein entschei­dender Engpass der aktuellen KI-und Cloud-Expansion ist nicht die Software­ent­wicklung, sondern die Fähigkeit, Rechen­leistung physisch zuver­lässig, effizient und skalierbar bereit­zu­stellen. Rechen­zentren zählen heute zu den komple­xesten indus­tri­ellen Anlagen überhaupt. Anfor­de­rungen an Verfüg­barkeit, Präzision, Energie­ef­fi­zienz und Sicherheit sind extrem hoch, während Ausfall­zeiten wirtschaftlich kaum tolerierbar sind.

Diese Charak­te­ristika begüns­tigen Anbieter mit:

  • hoher techno­lo­gi­scher Spezialisierung,
  • langjäh­riger Industrieerfahrung,
  • nachweislich hoher Zuver­läs­sigkeit in kriti­schen Anwendungen.

Genau hier ist die Schweizer Industrie tradi­tionell stark positioniert.

Einordnung für Schweizer Unternehmen

Die Schweiz ist entlang der globalen Liefer­ketten gut einge­bettet. Mehrere (börsen­ko­tierte) Unter­nehmen liefern essen­zielle Kompo­nenten und Systeme, die für den Aufbau moderner Rechen­zentren und Halblei­ter­fer­tigung unver­zichtbar sind.

Huber+Suhner bietet Hochfrequenz‑, Glasfaser- und Verbin­dungs­lö­sungen an. Moderne Rechen­zentren sind durch extrem hohe Daten­raten, niedrige Latenz­an­for­de­rungen und steigende Packungs­dichten gekenn­zeichnet. Der Ausbau von AI-Clustern und High-Perfor­mance-Computing erhöht die Anfor­de­rungen an zuver­lässige, verlustarme und skalierbare Verbin­dungs­tech­no­logien, wovon spezia­li­sierte Anbieter profi­tieren. Letztes Jahr konnte Huber+Suhner eine grosse Bestellung von einem Hypers­caler für ihre optischen Switches gewinnen.

Unter­nehmen im Bereich Elektri­fi­zierung und Energie­ef­fi­zienz gewinnen immer mehr an Bedeutung. Der Strom­bedarf grosser Rechen­zentren steigt exponen­tiell, was Lösungen für Strom­ver­teilung, Netzsta­bi­lität und Automa­ti­sierung erfordert. ABB ist hier struk­turell gut positio­niert, insbe­sondere im Segment Data-Center-Infra­struktur und Energie­ma­nagement. Zudem liefert Belimo Stell­an­triebe, Ventile und Sensoren für Heizungs‑, Lüftungs- und Klimasysteme.

Gerade in Rechen­zentren, in denen Kühlung einen wesent­lichen Teil der Betriebs­kosten ausmacht, ist präzise Regelung entscheidend für Energie­ef­fi­zienz und Ausfall­si­cherheit. Der globale Ausbau von Data-Center-Kapazi­täten erhöht damit struk­turell die Nachfrage nach hochwer­tigen HVAC-Lösungen.

Auch klassische Industrie-/Bauwerte profi­tieren, wenn auch weniger offen­sichtlich. Der Bau und Betrieb von Rechen­zentren stellt hohe Anfor­de­rungen an Bauma­te­rialien, Abdichtung, Brand­schutz und Nachhal­tigkeit. In diesem Kontext sind Sika sowie Holcim und Amrize Profi­teure des globalen Ausbaus digitaler Infrastruktur.

Im Bereich der Halbleiter- und Infra­struktur-Subsysteme sind insbe­sondere VAT Group, Inficon und Comet zu nennen. Diese Unter­nehmen profi­tieren indirekt vom steigenden Inves­ti­ti­ons­vo­lumen in KI-fähige Chips (die in den Rechen­zentren verbaut sind), da moderne Halbleiter ohne hochpräzise Vakuum‑, Mess- und Kontroll­tech­no­logien nicht herstellbar sind. Die Markt­ein­tritts­bar­rieren sind hoch, die Kunden­be­zie­hungen langfristig und die Wettbe­werbs­land­schaften oligo­po­lis­tisch geprägt.

Für Anlege­rinnen und Anleger der genannten Schweizer Unter­nehmen ist wichtig zu wissen, dass sich Hyperscale-Inves­ti­tionen nicht linear oder kurzfristig in den Umsätzen der genannten Schweizer Unter­nehmen wider­spiegeln. Die Wirkung zeigt sich mit Verzö­gerung und wird durch branchen­ty­pische Schwan­kungen, insbe­sondere in der Halblei­ter­industrie, beein­flusst. Gleich­zeitig sind die Ertrags­profile in der Regel stabiler als bei Endmärkten, da die Nachfrage nach Präzi­si­ons­kom­po­nenten weniger volatil ist als der Absatz von Endge­räten oder Softwarelösungen.

Zwar beein­flussen Konsum­zyklen die Nachfrage nach Halbleitern, die Inves­ti­tionen in moderne Chipfa­briken und deren Ausstattung folgen jedoch primär langfris­tigen Infra­struktur- und Techno­lo­gie­ent­schei­dungen und nicht kurzfris­tigen Absatz­schwan­kungen bei Endgeräten.

Typische Merkmale der Schweizer Profi­teure sind:

  • hohe Margen und Kapitalrenditen,
  • starke Bilanzen mit geringer Verschuldung,
  • begrenzter Wettbewerb aufgrund techno­lo­gi­scher Eintrittsbarrieren.

Fazit

Der aktuelle Hyperscale-Capex-Zyklus ist als mehrjäh­riger, struk­tu­reller Trend zu verstehen und weniger als kurzfris­tiges Konjunk­tur­phä­nomen. Für Schweizer Aktien­an­le­ge­rinnen und Aktien­an­leger ergeben sich daraus attraktive Chancen im Bereich quali­tativ hochwer­tiger Industrie- und Techno­lo­gie­un­ter­nehmen, die als «Enabler» der globalen Digital­in­fra­struktur fungieren.

Für langfristig orien­tierte Portfolios sprechen insbe­sondere die hohe Visibi­lität der struk­tu­rellen Nachfrage, die Qualität der Geschäfts­mo­delle sowie die geringe Substi­tu­ier­barkeit der angebo­tenen Produkte. Schweizer Firmen sind damit nicht die offen­sicht­lichen Gewinner der KI-Revolution, aber stabile Profiteure.

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