Kevin Warsh soll neuer Vorsitzender der US-Notenbank werden, als Nachfolger von Jerome Powell. Die Nominierung durch Donald Trump ist erfolgt, die Bestätigung durch den Senat steht noch aus. Doch wer ist Kevin Warsh und wofür steht er geldpolitisch?
Karriere zwischen Wall Street, Weissem Haus und Notenbank
Kevin Warsh, Jahrgang 1970, ist ein ausgewiesener Finanzexperte mit einem aussergewöhnlich breiten beruflichen Hintergrund. Seine Karriere begann an der Wall Street bei Morgan Stanley, wo er von 1995 bis 2002 im Bereich Mergers & Acquisitions tätig war. Von 2002 bis 2006 war er Special Assistant for Economic Policy im Weissen Haus unter Präsident George W. Bush sowie Executive Secretary des National Economic Council.
Von 2006 bis 2011 amtierte Warsh als Gouverneur des Federal Reserve Board. Während der Finanzkrise 2008 fungierte er als Hauptansprechpartner der Zentralbank für die Wall Street und vertrat die Federal Reserve bei den G20-Staaten sowie als deren Gesandter in die Schwellenländer Asiens.
Derzeit ist Warsh Shepard Family Distinguished Visiting Fellow für Wirtschaftswissenschaften an der Hoover Institution der Stanford University, Wissenschaftler und Dozent an der Stanford Graduate School of Business, Mitglied der Group of Thirty sowie Mitglied des Panel of Economic Advisers des Congressional Budget Office.
Nähe zu Donald Trump
Die Verbindung zu Donald Trump ist eng und reicht mehrere Jahre zurück. Warsh beriet Trump bereits während dessen erster Amtszeit in Wirtschaftsfragen und war Teil des Übergangsteams für die aktuelle zweite Amtszeit. Schon 2017 galt er als einer der Favoriten für den Fed-Vorsitz, bevor sich Trump damals für Jerome Powell entschied.
Die erneute Nominierung ist daher Ausdruck einer langjährigen politischen und persönlichen Beziehung.
Erfahrung und Kompetenz in der Geldpolitik
Kevin Warsh bringt breite Krisenerfahrungen mit. Er gehörte zum inneren Führungskreis um den damaligen Fed-Präsidenten Ben Bernanke, durchlebte die globale Kreditkrise als Gouverneur des Federal Reserve Board und verfügt als früherer Vertreter der Federal Reserve bei den G20-Staaten über internationale Verbindungen.
Seine Expertise umfasst Finanzmärkte, Regulierung und makroökonomische Stabilität, einschliesslich der Umsetzung von unkonventionellen geldpolitischen Massnahmen wie Quantitative Easing.
Zudem gilt Warsh als technologie-affin und als Befürworter von Innovationen wie Kryptowährungen, die er als digitales Gold bezeichnet, sowie einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC).
Geldpolitische Haltung zwischen Hawk und Dove
Kevin Warsh weist geldpolitisch sowohl hawkische als auch dovishe Elemente auf. Im Vordergrund steht für ihn vor allem Disziplin.
Bei früheren Entscheidungen lag sein Fokus primär auf der Wahrung der Preisstabilität.
In jüngerer Zeit signalisiert er jedoch Offenheit für niedrigere Zinsen, insbesondere als Reaktion auf schwächere Wirtschafts- und Konjunkturdaten.
Marktreaktion und politische Einordnung
Die Nominierung ist strategisch klug. Warsh steht für eine hawkische Grunddisziplin, was die Unabhängigkeit der US-Notenbank unterstreicht. Gleichzeitig ist seine Nähe zu Trump offensichtlich und nimmt dem Präsidenten den Druck, die Fed öffentlich anzugreifen.
Die Reaktion der Märkte fiel gemischt aus. Der Bondmarkt nahm die Nomination weitgehend stillschweigend zur Kenntnis. Der Goldpreis korrigierte zwar, aber das hat wohl andere Gründe nach dem kürzlichen Preisanstieg. Die ausstehende Bestätigung durch den Senat gilt als Formsache.
Ausblick: Die entscheidenden Fragen
Für Marktteilnehmer rücken nun mehrere Punkte in den Fokus. Entscheidend wird sein, wie Kevin Warsh zur US-Wirtschaft, zum Arbeitsmarkt und zu möglichen Zinssenkungen kommuniziert.
Offen ist zudem, ob der Sitz von Lisa Cook frei wird. Der Supreme Court of the United States hat die mündlichen Anhörungen im Fall Trump v. Cook zur möglichen Entlassung der Fed-Gouverneurin am 21. Januar 2026 abgeschlossen. Ein endgültiges Urteil wird nicht vor Ende Juni 2026 erwartet.
Ebenfalls ungeklärt ist die Zukunft von Jerome Powell. Seine Amtszeit als Chair der Federal Reserve endet am 15. Mai 2026. Als Fed-Governor könnte er noch bis zum 31. Januar 2028 im Amt bleiben, hat dies bislang jedoch nicht bestätigt. Donald Trump dürfte versuchen, ihn zu einem Rücktritt zu drängen.
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