Fabienne Hockenjos ist seit September 2025 Mitglied der Geschäftsleitung von Rahn+Bodmer Co. und verantwortet den Bereich Financial Services mit über 25 Mitarbeitenden, der Investment Office, Finanzanalyse, Portfoliomanagement sowie den Börsenhandel umfasst. Damit leitet sie eine zentrale Einheit der Bank, die zwar wenig im Rampenlicht steht, aber die Grundlage für langfristig erfolgreiche Beratung und Anlagestrategien bildet.
Sie leiten bei Rahn+Bodmer Co. den Bereich Financial Services mit Investment Office, Finanzanalyse, Portfoliomanagement, Börsenhandel einer eigenen Risikoeinheit mit mehr als 25 Mitarbeitenden. Wie greifen diese Einheiten in Ihrer täglichen Arbeit ineinander?
Die Rendite unserer Mandate ist das Resultat der Anlagestrategie, Investmentideen, einer guten Implementierung und guter Handelsausführungen. Dies alles gilt es zu überwachen und regelkonform umzusetzen. Die Verzahnung dieser zentralen Einheiten ist daher essenziell für den Erfolg des Anlagegeschäfts unserer Bank. Je besser die jeweiligen Abteilungen abgestimmt sind, desto erfolgsversprechender wird das Anlageergebnis für unsere Kundinnen und Kunden ausfallen. Daher ist mein primärer Fokus seit September die Weiterentwicklung sowie die optimale Ausgestaltung des Anlageprozesses.
Die Festlegung der Anlagestrategie ist zentral für unsere Kundinnen und Kunden. Welche Grundsätze leiten Sie dabei und wie stellen Sie sicher, dass die Strategie langfristig trägt?
Eine Anlagestrategie muss sowohl die Risikofähigkeit als auch Risikoneigung unserer Kundinnen und Kunden abbilden. Wir setzen dabei auf einen hohen Grad an Individualität. Unsere Portfolios sind keine Massenproduktion sondern reflektieren die jeweiligen Bedürfnisse unserer Kundschaft. Ausgangslage ist bei uns also immer das individuelle Kundenbedürfnis. Diese Kundenzentriertheit wird bei uns seit 275 Jahren gelebt und wird auch in den kommenden 275 Jahren zentraler Bestandteil unserer Strategie bleiben.
Finanzanalyse und Portfoliomanagement arbeiten oft mit unterschiedlichen Zeithorizonten und Perspektiven. Wie koordinieren Sie die Zusammenarbeit zwischen diesen Funktionen?
Es stimmt, oftmals haben Analysten und Portfoliomanagerinnen nicht vollständig deckungsgleiche Anreizmechanismen. Das Wichtigste ist es daher, dass ein gemeinsames Anreizsystem geschaffen wird. Ein gutes Anlageresultat ist immer ein Gemeinschaftswerk: Dennoch ist es zentral, dass es klare Verantwortlichkeiten und einen strukturierten Prozess gibt, bei dem jeder und jedem bewusst ist, was ihr oder sein Beitrag an eine gute Performance ist.
Regulatorische Anforderungen, Marktveränderungen und neue Technologien beeinflussen die Anlageentscheide laufend. Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit besonders aufmerksam und weshalb?
Veränderung ist in unserem Geschäft eine wichtige Konstante. In den letzten Jahren haben regulatorische Anforderungen dominiert. FIDLEG hat die Art der Anlageberatung verändert und das Thema Nachhaltigkeit fordert die Branche weiterhin. Derzeit fordern zwei Entwicklungen meine erhöhte Aufmerksamkeit: Die Dominanz der USA im Marktkontext sowie künstliche Intelligenz. Das erste Thema ist besonders relevant für die Ausgestaltung der Anlagestrategie resp. des Risikomanagements. Amerikanische Aktien machen rund 2/3 der Marktkapitalisierung des Weltaktienmarktes aus. Als Folge hat sich eine enorme Abhängigkeit der internationalen Finanzmärkte entwickelt. Zudem steigt das Risiko der Exponierung in US-Dollar – allen voran für Schweizer Investorinnen und Investoren. Dass die Weltpolitik auch zunehmend von den USA abhängt, versteht sich schon fast von selbst mit der derzeitigen Präsidentschaft. Auch das Thema künstliche Intelligenz war in den vergangenen Monaten zentral für die Entwicklung der Märkte, ich verfolge zudem das Thema jedoch mit Blick auf den Einsatz im Anlagegeschäft. Welche Prozesse kann man mit künstlicher Intelligenz effizienter ausgestalten, wo sollte der Fokus der Investitionsstrategie systemtechnisch und personaltechnisch liegen, welche Trends werden revolutionierend sein, welche auch aus Risikogesichtspunkten wieder verfliegen. Diese Fragestellungen dürften mich weit über das neue Jahr hinaus beschäftigen.
Ihr Bereich bildet das Fundament für die Kundenberatung. Wie gelingt es Ihnen, komplexe Markteinschätzungen in verständliche Aussagen für Kundinnen und Kunden zu übersetzen?
Adressatengerechte Kommunikation ist der heilige Gral der Kundenberatung. Unsere Kundschaft hat verschiedene Bedürfnisse an Frequenz, Inhalt und Detaillierungsgrad. Auch hier setzen wir auf individuelle Kommunikation und werden uns strategisch mit dem Thema beschäftigen.
Welche langfristigen Prioritäten verfolgen Sie für die Weiterentwicklung des Bereichs?
Der Bereich soll zukunftsfähig und agil aufgestellt sein, um sicherstellen zu können, dass man Trends frühzeitig erkennt und sich rasch auf Veränderungen einstellen kann. Eine der wichtigsten Priorität für mich persönlich ist dabei die Mitarbeiterentwicklung: Damit ein Anlagebereich fit bleibt, braucht man das beste Knowhow und gutes Teamwork. Beides in meinem Bereich sicherzustellen, erachte ich als eine zentrale Funktion meiner Rolle
Ihre Funktion ist sehr anspruchsvoll und komplex. Was hilft Ihnen persönlich, neue Energie zu tanken und den Blick für das Wesentliche zu bewahren?
Ich bin ein sehr passionierter Mensch. Was ich tue, mache ich aus grosser Überzeugung und mit einer sehr hohen Integrität. Dies führt dazu, dass mich auch mein Beruf antreibt und nicht primär Energie zehrt. Um neue Energie zu tanken oder abzuschalten schwinge ich mich auf den Rücken meiner Pferde oder hinters Mikrofon meiner Rockband. Und «last but not least» als zentrale Energiequelle: Meine Familie, welche immer der Fels in der Brandung ist.
Bei Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater gerne zur Verfügung.
Bei Anregungen zum Notablog wenden Sie sich bitte an notablog@rahnbodmer.ch.
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