Im ersten Teil haben wir gezeigt, weshalb es für sehr vermögende Familien entscheidend ist, frühzeitig über das Familienvermögen zu sprechen und das Schweigen rund um dieses Thema bewusst zu durchbrechen. Denn unabhängig davon, wann und in welcher Form Vermögen übertragen wird, wird sich die nächste Generation damit auseinandersetzen müssen.
Ist dieser erste Schritt getan und ein gemeinsames Verständnis geschaffen, stellt sich die nächste zentrale Frage: Wie kann Verantwortung konkret weitergegeben werden, ohne junge Erwachsene zu überfordern oder sie allein zu lassen?
Nicht alle jungen Menschen reagieren gleich, wenn es um Geld und Vermögen geht. Manche sind neugierig und motiviert, andere zurückhaltend, unsicher oder sogar ablehnend. Diese Reaktionen sind normal. Entscheidend ist, den passenden Rahmen zu schaffen, in dem erste positive Erfahrungen möglich werden.
Lernen durch konkrete Verantwortung
Anstatt Wissen nur theoretisch zu vermitteln, hat sich ein erfahrungsbasierter Ansatz bewährt. Das kann ganz unterschiedlich aussehen, zum Beispiel:
- Ein periodischer Betrag, für den ein eigenes Budget erstellt wird. Ziel ist es, kurz- und mittelfristig mit begrenzten Mitteln umzugehen.
- Ein mehrjähriger Finanzrahmen, etwa für Studium und Lebensunterhalt. Ziel ist das langfristige Planen und erste Erfahrungen mit Vermögensanlagen.
- Eine grössere Schenkung mit der klaren Zielsetzung, diese langfristig anzulegen und nicht zu konsumieren. Ziel ist das Verständnis für Investitionen und Risiko.
Diese Schritte erfolgen nicht nach Schema F. Sie orientieren sich an der Persönlichkeit, der Lebensphase und der Bereitschaft der jungen Erwachsenen. Wichtig ist, dass Fehler erlaubt sind. Denn Verantwortung lässt sich nicht theoretisch erlernen, sondern durch Erleben.
Loslassen ist ein Prozess
Für viele Eltern ist das schrittweise Abgeben von Kontrolle eine grosse Herausforderung. Vermögen ist oft eng mit persönlicher Leistung, unternehmerischem Erfolg oder familiärer Geschichte verbunden. Doch Verantwortung lässt sich nicht einfach übertragen. Sie muss entstehen dürfen.
Loslassen bedeutet nicht, sich zurückzuziehen. Es bedeutet, bewusst Raum zu geben und gleichzeitig präsent zu bleiben. Begleitung, klare Strukturen und eine verlässliche Ansprechperson helfen dabei, Sicherheit zu schaffen. Für die Eltern ebenso wie für die nächste Generation.
Wir erleben immer wieder, wie Vertrauen auf beiden Seiten wächst, wenn junge Erwachsene Verantwortung übernehmen dürfen. Eltern sehen, wie ihre Kinder daran reifen. Und die junge Generation spürt, dass ihr etwas zugetraut wird. Diese Erfahrungen wirken oft nachhaltiger als jede theoretische Erklärung.
Unsere Rolle im Generationendialog
Wir verstehen uns als Partnerin in einem sensiblen Prozess, in dem es um weit mehr geht als um Zahlen. Es geht um Emotionen, Werte und Entwicklung.
Wir unterstützen Eltern dabei, ihre Gedanken zu ordnen und mögliche Wege zu definieren. Wir begleiten junge Erwachsene bei Budgetfragen, Anlagestrategien oder finanziellen Entscheidungen im Lebensverlauf. Und wir fördern den Dialog zwischen den Generationen, bei Bedarf auch moderierend und als neutrale Gesprächspartnerin.
Unsere Erfahrung zeigt, dass bereits ein erstes Gespräch viel auslösen kann. Es schafft Klarheit, stärkt das Vertrauen und motiviert, sich aktiv mit dem eigenen Umgang mit Geld auseinanderzusetzen.
Wenn Sie diesen Weg gemeinsam gehen möchten, begleiten wir Sie gerne. Als Gesprächspartnerin für Sie als Eltern, als Sparringspartner für Ihre Kinder und als Generationenbank für die ganze Familie.
Bei Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater gerne zur Verfügung.
Bei Anregungen zum Notablog wenden Sie sich bitte an notablog@rahnbodmer.ch.
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