Heinz Rüttimann
Anlegen

Künst­liche Intel­ligenz: Zukunft bringt Produktivitätsgewinne

Im Laufe der Geschichte haben sich rund um neue Techno­logien immer wieder Blasen gebildet (Bsp. Techno­lo­gie­blase der späten 1990iger Jahre oder die Block­chain Techno­logie in Bezug auf Krypto­wäh­rungen). Die Mecha­nismen im Markt sind oftmals ähnlich und können in zwei Phasen unter­teilt werden.

Phase I: Innovation bis Marktbereinigung

  • Der Markt erkennt eine neue bahnbre­chende Technologie.
  • Den Innova­to­rinnen und Innova­toren fliesst von allen Seiten neues Kapital zu.
  • Das Thema wird weiter angeheizt durch die Medien.
  • Speku­la­tionen nehmen zu und die Preise und Bewer­tungen überschiessen, bis die Blase platzt.
  • Viele nicht-profi­table Unter­nehmen gehen bankrott und es kommt zu einer tiefgrei­fenden Bereinigung.
  • Die überle­benden Firmen der neuen Techno­logie werden tenden­ziell zum Haupt­treiber der Wirtschaft.

Phase II: Weitere Branchen werden erfasst, was zu einer weiteren Berei­nigung führt

  • Durch die neue Techno­logie entstehen neue Firmen, Produkte, Industrien.
  • Die neue Techno­logie zwingt Firmen zu Anpas­sungen und Innova­tionen. Firmen, die sich nicht anpassen, verschwinden (Berei­nigung).
  • Je nach Ausmass und Entwicklung der Techno­logie schreiten die Behörden ein und beginnen die Techno­logie zu regulieren.

Um ein Beispiel zu geben: Der Nasdaq-Index hat sich im Zeitraum zwischen 1995 und 2000 verfünf­facht. Bis zu seinem Tiefpunkt im Oktober 2002 fiel er um fast 80 %. Die Berei­nigung führte zu einer Erholung der Branche und leitete zugleich den nächsten Zyklus ein.

Bei der Künst­lichen Intel­ligenz stehen wir in Bezug auf Innova­to­rinnen und Innova­toren, neue Firmen und Branchen, Produkte und deren Kommer­zia­li­sierung immer noch am Anfang. Gleich­zeitig ist die Geschwin­digkeit enorm und wird alles bisher Gesehene wohl übertreffen. Die dafür verant­wort­lichen Treiber der Entwicklung sind die Verbreitung (Software, kein physi­sches Kapital), die Akzeptanz (Inter­aktion in natür­licher Sprache) und der Rollout (Firmen first-mover advantage).

Das Spektrum «wo und wie» KI über die Zeit wird einge­setzt werden können, kennt kaum Grenzen. Dabei sind es nicht einfach die Chip- und Server-Hersteller oder Firmen, die die Cloud-Infra­struktur oder Rechen­zentren betreiben, die zu den Gewinnern gehören. Das Potenzial von KI liegt flächen­de­ckend über alle Branchen hinweg bei Firmen, welche die Techno­logie aktiv nutzen, um Kosten zu senken und Innova­tionen hervor­zu­bringen. Beispiel: Das Internet erlaubte die Entwicklung und Verbreitung des Smart­phones. Das Smart­phone wiederum brachte die komplett neue Branche der App-Entwicklung hervor. Man denke dabei nicht nur an Social Media oder Games, sondern vor allem an die Möglich­keiten der Navigation, Sprach­über­setzung, Kranken­kas­sen­ab­rech­nungen, Taxi-Bestel­lungen, Food-Delivery, Hotel­bu­chungen etc. KI wird Produkte und Dienst­leis­tungen ermög­lichen, von denen wir heute noch gar nichts wissen.

Die neue Techno­logie der Künst­lichen Intel­ligenz wird Anlege­rinnen und Anlegern erlauben, über verschiedene Branchen und Zeiträume hinweg zu profi­tieren. Natürlich ist es zentral, die Firmen mit dem richtigen Business Modell zu identi­fi­zieren. Auf der Gegen­seite wird es nämlich auch viele Verlierer geben.

Drei Kategorien von Unternehmen

  • Die Pioniere der Industrie sind oftmals am einfachsten zu identi­fi­zieren (Chip- und Server-Hersteller, Rechen­zentren, Cloud-Infra­struktur). Die Aktien­preise und Bewer­tungen reflek­tieren dies oftmals.
  • Die Weiter­ent­wickler und Anpasser an die Techno­logie führen dann zu neuen Produkten und einer raschen Kommer­zia­li­sierung. Dies betrifft all die Unter­nehmen, die ihre Geschäfts­mo­delle anpassen und KI-Lösungen nutzen, um Kosten zu sparen, produk­tiver zu werden und neue Produkte/Innovationen schaffen. Besonders inter­essant wird es, wenn sich eine neue Branche entwi­ckelt, die heute noch gar nicht als Branche erkannt wird.
  • Die letzte Kategorie betrifft die Verlierer und umfasst all die Firmen, die sich zu langsam an das neue Umfeld anpassen und deren Produkt durch eine KI-Lösung bedroht ist und abgelöst wird.

Konklusion: Neue Oppor­tu­ni­täten für Investoren

  • Potenzial: Künst­liche Intel­ligenz ist eine disruptive Techno­logie mit riesigem Potenzial. Sie wird alte Business Modelle komplett umkrempeln und neue erschaffen. Die Möglich­keiten sind hier praktisch endlos. Es hat zwar bereits begonnen, aber grund­sätzlich stehen wir immer noch in den Anfängen.
  • Produk­ti­vi­täts­schub: Wirtschaftlich könnten wir einen Produk­ti­vi­täts­schub erleben wie beim Internet oder mehr. Der Knack­punkt dabei ist, dass für einen solchen Wachs­tums­schub 100 % des gesamten Prozesses automa­ti­siert werden muss. Bei 90 % tritt nicht annähernd der gleiche Effekt ein und die Produktivität/Wachstum orien­tiert sich am langsamsten Teil des Prozesses. Bei KI-Modellen wäre dies der Mensch.
  • Regula­torien: Auch die Regulie­rungs­be­hörden sind auf die Techno­logie aufmerksam geworden und nehmen sich dieser genauer an – insbe­sondere Europa. Themen, wie Urheber­rechts­ver­let­zungen, Zerti­fi­zie­rungen und KI-Risiken sind aber enorm wichtig.

Der Zug der Künst­lichen Intel­ligenz hat den Bahnhof verlassen und wird für Inves­to­rinnen und Inves­toren neue Oppor­tu­ni­täten eröffnen. Warren Buffet meinte in einem Interview dazu «It is an incre­dible techno­lo­gical advance and the amount of time it can save you is unbelie­vable. It scares me in terms of the possi­bi­lities of it.»

Bei Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

notablog@rahnbodmer.ch

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