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Inflation – wieder­holen sich die 1970er Jahre?

Von: Heinz Rüttimann

Höhere Preise für Öl- und Gas sowie Nahrungs­mittel, verur­sacht durch Unter­brüche oder Schwie­rig­keiten in den Liefer­ketten, haben die Inflation weltweit ansteigen lassen. Sich überbie­tende Schlag­zeilen zur Inflation prägen das mediale Alltagsbild. Zu Recht, wenn man bedenkt, dass die Inflation in den USA und der Eurozone Ende 2021 noch bei 4.7 %, respektive 2.6 % stand und aktuell ein Niveau von 8.5 % in den USA und 7.5 % in der Eurozone erreicht hat. In der Schweiz ist das Niveau ebenfalls gestiegen, aber noch nicht auf alarmie­rende Stufe. So beträgt die aktuelle Inflation 2.4 % (Ende 2021 0.6 %). Bei diesen Zahlen werden unwei­gerlich Erinne­rungen an die Hochin­fla­ti­ons­pe­riode der 70er Jahre wach.

Um beurteilen zu können, ob sich die Inflation der 1970er Jahre wieder­holen könnte, muss man verstehen, was die Inflation damals ausser Kontrolle geraten liess. Hierfür gibt es verschiedene akade­mische Studien. Da die Inflation bereits ab 1968 zulegte, ist der Zusam­men­bruch von Bretton Woods und die Öl-Embargos eine zu einfache Erklärung. Die Hochin­fla­ti­ons­phase wurde vor allem durch eine fehler­hafte «Fiskal- und Geldpo­litik» verur­sacht und danach versucht, die steigende Inflation mit Preis- und Lohnkon­trollen zu bekämpfen.

Inflation in den USA, Europa und der Schweiz

Fehler­hafte Fiskal- und Geldpolitik

  1. Die Politik überschätzte das Ausmass der Konjunk­tur­schwäche und übersti­mu­lierte die Konjunktur mit fiskal­po­li­ti­schen Massnahmen.
  2. Die US-Fed war der Überzeugung, dass für eine tiefere Arbeits­lo­sigkeit eine höhere Inflation akzep­tiert werden muss und senkte die Zinsen, als sie die Zinsen hätte erhöhen sollen.
  3. Die US-Fed glaubte, dass die steigende Inflation nur wenig mit der Art und Weise zu tun hätte, wie sie ihre Geldpo­litik betreiben würde.

Konsu­men­ten­in­flation und Zinssatz der Zentralbank in den USA 

Heutige Fiskal- und Geldpolitik

Man stellt unwei­gerlich fest, dass gewisse Paral­lelen zu den 1970er Jahren gezogen werden können. Zum einen sind dies die riesigen Konjunk­tur­pro­gramme, die im Nachgang zur Finanz­krise lanciert wurden und die zu einer Übersti­mu­lierung der Wirtschaft beitragen. Zum anderen sind es die gewal­tigen geldpo­li­ti­schen Massnahmen, um die Zinsen tief zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Das aktive Management der gesamten Zinskurve trägt dabei zur «Moneta­ri­sierung der Staats­schulden» bei und verzögert gleich­zeitig den Reform­bedarf in der Politik. Die Abhän­gigkeit der Politik von der Zentralbank und der Einfluss der Politik auf die Zentralbank sind besonders schlechte Kombinationen.

Konklusion

Die Zentral­banken haben aus den 1970er Jahren gelernt, dass sie die Inflation senken können, wenn sie die Zinsen so weit anheben, bis sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Das Ziel einer wirtschaft­lichen Verlang­samung wäre ein sogenanntes «soft landing», sprich, eine Abkühlung, ohne dabei eine wirtschaft­liche Rezession zu verur­sachen. Auf die eingangs gestellte Frage, ob sich die 1970er Jahre wieder­holen könnten, glauben wir, dass sie sich mit dem heutigen Kennt­nis­stand der Zentral­banken vermeiden lässt. Hinzu kommt, dass defla­tionäre Techno­logien (Automation) und die Alters­py­ramide der Bevöl­kerung die Inflation zusätzlich in Schach halten werden.

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