Die Rochade ist ein spezieller, kombinierter Zug im Schach. Sie ist der einzige Zug, bei dem zwei Figuren gleichzeitig bewegt werden, und dient dazu, den König in Sicherheit zu bringen und den Turm zu aktivieren. In der US-Fed haben wir ebenfalls eine Rochade und man kann durchaus Parallelen zum Schach ziehen. Dabei geht es insbesondere um drei Fragen
- Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jerome Powell Mitglied des FOMC bis 2028 bleibt?
- Wie könnte sich die US-Fed Zusammensetzung ändern bei seinem Rücktritt?
- Wie ist die Wild Card «Lisa Cook» einzuordnen?
Wie wahrscheinlich ist es, dass Jerome Powell bis 2828 Mitglied des FOMC bleibt?
Die Amtszeit von Jerome Powell als Vorsitzendem der Federal Reserve endet planmässig im Mai 2026. Seine separate 14-jährige Amtszeit als Mitglied des Board of Governors und stimmberechtigtes Mitglied im FOMC läuft jedoch erst am 31. Januar 2028 aus.
Historie gegen Powell: Obwohl das Gesetz einen Verbleib im Board bis zum Ende der 14-jährigen Amtszeit erlaubt, ist es heutzutage üblich, dass Fed-Chairs vollständig zurücktreten. Ziel ist es, den Nachfolger nicht zu «überschatten» und kein unangenehmes Machtgefälle zu erzeugen. In den letzten 80 Jahren blieb nur ein Vorsitzender, Marriner Eccles, nach seiner Ablösung im Board of Governors
Für einen Rücktritt sprechen neben der Historie auch die Marktstabilität, da ein Verbleib Powells als Zeichen interner Spannungen interpretiert werden könnte. Ebenfalls dafür sprechen lukrative Beraterposten, da Ex-Fed-Chairs gefragte Redner, Autoren und Berater sind.
Gegen einen Rücktritt sprechen Powells Überzeugung für strikte Inflationsbekämpfung und dass die Angriffe von Trump gegen seine Person zu einer persönlichen Angelegenheit geworden sind.
Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib Powells auf 20 %. Die Historie ist ein zu starkes Argument. Das Risiko bei dieser Einschätzung ist, dass Powells Entscheidung, im FOMC zu bleiben, zu einer persönlichen Angelegenheit geworden ist (Trump vs. Powell).
Wie könnte sich die US-Fed Zusammensetzung ändern bei Powells Rücktritt?
Ein zentrales Szenario für die Neugestaltung der Fed ist der Fall Miran. Stephen Mirans reguläre Amtszeit endete bereits im Januar 2026, er verbleibt jedoch als «Platzhalter» im Board, bis Kevin Warsh vom Senat bestätigt wird. Dann scheidet er aus.
Tritt Powell im Mai 2026 vollständig aus dem Board aus, entsteht ein freier Gouverneurssitz. Donald Trump könnte eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten nominieren, zunächst für die Restlaufzeit bis 2028, mit Option auf eine weitere 14-jährige Amtszeit. Sprich, Stephen Miran könnte ab Mai wieder Teil des FOMC sein. Dies bedingt wiederum die Bestätigung durch den Senat.
Der Ablauf wäre folgendermassen:
Kevin Warsh ersetzt Stephen Miran: Miran räumt bei der Bestätigung von Warsh seinen Platz. Warsh wird Gouverneur und übernimmt dann im Mai 2026 den Posten als US-Fed Chair.
Mirans Rückkehr: Bei Powells Austritt nominiert Trump Miran für Powells Sitz.
Wer sind die Trump-Kandidaten im FOMC ab Mai 2026?
- Kevin Warsh (Vorsitzender)
- Stephen Miran (Wiederkehrender Gouverneur und vielleicht Stellvertreter von Warsh)
- Christopher Waller (Bestehender Trump-Ernannter)
- Michelle Bowman (Bestehende Trump-Ernannte)
Konklusion
- Mit vier von sieben Sitzen hätten Trump-nominierte Gouverneure die einfache Mehrheit im Board.
- Im 12-köpfigen FOMC verfügen die sieben Gouverneure über ständiges Stimmrecht. Sprich, um ein formales «Patt» zu erreichen, wären noch die Stimmen von zwei rotierenden Regionalbank-Präsidenten nötig.
- Bei einem Patt im FOMC wird die Entscheidung vertagt oder es wird weiter diskutiert, bis eine Mehrheit steht. In der Praxis hat die Stimme des Chairs jedoch ein enormes informelles Gewicht und ein Patt ist sehr selten.
Wie ist die Wild Card Lisa Cook einzuordnen?
Im August 2025 versuchte Präsident Trump, Lisa Cook zu entlassen (Laufzeit ihrer Amtszeit noch bis 2038). Er begründete dies mit angeblichen Ungenauigkeiten bei ihren Hypothekenangaben und Immobilien. Cook kämpfte gerichtlich gegen ihre Entlassung und der Fall liegt derzeit beim Obersten Gerichtshof. Der zeitliche Ablauf zu einem Urteil ist wie folgt:
- Am 21. Januar 2026 fand eine mündliche Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof statt.
- Ein endgültiges Urteil wird bis Juni 2026 erwartet.
Ob Cooks Sitz frei wird, hängt vollständig von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ab. Ein Sieg Trumps vor dem Supreme Court würde den Weg für ein fünftes Trump-freundliches Mitglied ebnen und hätte möglicherweise einen Einfluss auf die interne Abstimmungsdynamik. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario ist jedoch niedrig. Bisher wurde kein Fed-Gouverneur entlassen.
Schlussbemerkungen
Aktuell befindet sich die Fed in einer Warteschleife (Leitzins 3.75 %). Für das nächste Treffen im März 2026 preisen die Märkte lediglich eine 25 % Chance für eine Senkung ein. Mit dem Führungswechsel im Mai 2026 könnte sich das Tempo aber schnell ändern.
Trump stellte unmissverständlich klar, dass er Warsh nicht nominiert hätte, wenn dieser Zinserhöhungen beabsichtige. Warsh gilt zwar als «Inflations-Falke», argumentiert aber, dass Produktivitätsgewinne durch KI und Technologie schnellere Zinssenkungen erlauben, ohne die Inflation anzuheizen.
Damit könnte sich die Fed von der datengetriebenen Vorsicht Powells hin zu einer wachstumsorientierten Produktivitäts-These unter Warsh bewegen. Das grösste Risiko bleibt die Glaubwürdigkeit der US-Fed und wie die Märkte darauf reagieren. Unsere Indikatoren hierfür:
- Gold zeigt weiterhin die Fieberkurve in der US-Geldpolitik an und
- die 10‑J. und 30‑J. US-Renditen sind der disziplinierende Faktor für die Trump Administration.
Bei Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater gerne zur Verfügung.
Bei Anregungen zum Notablog wenden Sie sich bitte an notablog@rahnbodmer.ch.
Rechtliche Hinweise
Die Informationen und Ansichten in diesem Blog dienen ausschliesslich Informationszwecken und stellen insbesondere keine Werbung, Empfehlung, Finanzanalyse oder sonstige Beratung dar. Namentlich ist dieser weder dazu bestimmt, der Leserin oder dem Leser eine Anlageberatung zukommen zu lassen, noch sie oder ihn bei allfälligen Investitionen oder sonstigen Transaktionen zu unterstützen. Entscheide, welche aufgrund der vorliegenden Publikation getroffen werden, erfolgen im alleinigen Risiko der Anlegerin oder des Anlegers.
Weitere Beiträge von Heinz Rüttimann