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Sicht im Pharma­sektor klärt auf

Zölle auf pharma­zeu­tische Produkte von bis zu 250 % – diese Drohung des US-Präsi­denten Donald Trump sorgte 2025 für erheb­liche Unruhe unter Inves­toren im Bereich Healthcare. So konnte sich bspw. der Index MSCI Europe Pharma seit dem Zollschock Anfang April nach einem vielver­spre­chenden Jahres­beginn lange Zeit nicht mehr nachhaltig erholen.

Seit Ende des Jahres 2025 ist jedoch eine Trend­wende ersichtlich. Seit Anfang November verzeichnen die Aktien europäi­scher Pharma­kon­zerne eine deutliche Erholung, die sich auch im Jahr 2026 bisher fortsetzt.

Ausschlag­gebend dafür ist, dass etliche Pharma­kon­zerne indivi­duelle Zollab­kommen mit der Trump-Regierung aushandeln konnten. Obwohl diese Verein­ba­rungen indivi­duell sind, weisen sie im Kern Ähnlich­keiten auf. So erhielten sämtliche betei­ligten Unter­nehmen einen dreijäh­rigen Aufschub der vorge­se­henen Zölle. Dieser bleibt selbst dann in Kraft, wenn die USA im Rahmen einer Unter­su­chung nach Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 zu dem Schluss kommen sollten, dass der Import pharma­zeu­ti­scher Produkte die nationale Sicherheit gefährdet.

Im Gegenzug sagten die Pharma­kon­zerne der US-Regierung zwar unter anderem zu, künftig Preis­struk­turen für neue Medika­mente anzuwenden, die sich an jenen in Europa und anderen einkom­mens­starken Ländern orien­tieren. Dies dürfte insgesamt zu einem Preis­rückgang auf dem US-Markt führen. Aufgrund ihrer starken Preis­set­zungs­macht ist jedoch davon auszu­gehen, dass die Unter­nehmen im Gegenzug Spielraum für Preis­an­pas­sungen in Europa nutzen können. Entschei­dende Voraus­setzung dafür bleibt eine anhaltend hohe Innova­ti­ons­kraft – eine Stärke, die wir weiterhin bei sämtlichen führenden europäi­schen Pharma­kon­zernen erkennen.

Planungs­grund­lagen wieder sicher

Insgesamt ermög­lichen die getrof­fenen Verein­ba­rungen den Pharma­kon­zernen wieder eine verläss­li­chere Planungs­grundlage und die Weiter­ent­wicklung ihrer Strategien unter klar definierten Rahmen­be­din­gungen. Damit hat sich auch für Inves­toren die Situation deutlich aufge­hellt. Die Sicht­barkeit in Bezug auf das kurz- bis mittel­fristige Gewinn­wachstum hat sich dank der Verein­ba­rungen spürbar verbessert, was 2026 voraus­sichtlich positiv auf die Markt­stimmung im Pharma­sektor wirken dürfte.

Noch nicht aus dem Schneider sind jene Pharma­un­ter­nehmen, die bislang keine Verein­ba­rungen mit der ameri­ka­ni­schen Regierung treffen konnten. Dabei handelt es sich überwiegend um kleinere und mittel­grosse Arznei­mit­tel­her­steller. Aller­dings profi­tieren auch sie inzwi­schen in gewissem Masse vom Schutz durch bestehende Handels­ab­kommen zwischen den USA und der EU sowie mit anderen Ländern wie bspw. der Schweiz. Diese Handels­ab­kommen sehen vor, dass im Falle der Einführung von Zöllen auf pharma­zeu­tische Produkte der Zollsatz auf maximal 15 % begrenzt bleibt.

Gleichwohl eröffnen sich auch für kleinere und mittel­grosse Pharma­un­ter­nehmen Chancen. Big Pharma steht derzeit vor einer signi­fi­kanten Patent­klippe, bei der von 2025 bis 2033 weltweit Umsätze von über USD 400 Mrd. gefährdet sind. Betroffene Block­buster wie das Diabe­tes­mittel Jardiance von Boehringer Ingelheim sowie die Krebs­im­mun­the­ra­peutika Opdivo von Bristol-Myers Squibb und Keytruda von Merck & Co. verlieren in den kommenden Jahren ihren Patentschutz.

Gleich­zeitig verfügen die grossen Pharma­kon­zerne dank solidem Cashflow und hoher Liqui­dität über beträcht­liche finan­zielle Ressourcen für Übernahmen und Lizen­zie­rungen. Daraus könnte eine Belebung des M&A‑Marktes resul­tieren, mit attrak­tiven Übernahmeprämien.

Sektor weiterhin attraktiv

Aus Inves­to­ren­sicht sind nach dem jüngsten Kursan­stieg zwar die niedrig hängenden Früchte mittler­weile geerntet. Dennoch erscheint der Sektor nach wie vor nicht überbe­wertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis vom Index MSCI Europe Pharma, basierend auf den erwar­teten Gewinnen der nächsten 12 Monate, liegt derzeit auf dem 10-Jahres­durch­schnitt. Angesichts der genannten positiven Treiber sehen wir für den Sektor 2026 damit weiteres Aufwärts­po­tenzial. Dies gilt umso mehr, da künst­liche Intel­ligenz auch in der Pharma­branche langfristig Effizi­enz­ge­winne und Wachs­tums­chancen ermöglicht.

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